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Blog » Kleine Materialkunde - Tragetücher

Kleine Materialkunde - Tragetücher (von Natalie Clauss)

Ich möchte euch in diesem Artikel die verschiedenen Materialien vorstellen, die in Tragetüchern verwebt sein können. Bei vielen Materialien ist es so, dass sie in Kombination mit anderen Materialien verwendet werden. Dadurch ergibt sich eine Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten.

Baumwolle

Eine Baumwollpflanze.

Sie ist wohl das bekannste und meistverwendetste Material in Tragetüchern. Baumwolle ist robust und pflegeleicht. Gewonnen wird sie aus der Baumwollpflanze (Gossypium), welche zu den Malvengewächsen gehört. Die Baumwollfaser ist eine Naturfaser und wird aus den Samenhaaren gewonnen. Das Material gilt als hautfreundlich (kratzt nicht) und zeigt ein sehr geringes Allergiepotenzial. Durch die robuste Eigenschaft der Baumwolle sind solche Tragetücher besonders langlebig und nutzen nicht ab. Ich epfehle Baumwolltücher gerne für den Anfang, weil sie nicht so teuer sind und eben sehr robust.

Leinen

Leinen ist eine Faser, welche aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen wird. Sie ist etwas teurer als die Baumwolle, weshalb Leinen auch seltener verwendet wird als Baumwolle. Durch ein bestimmtes Aufschlussverfahren kann es sowohl in reiner Form als auch in Mischung mit anderen Materialien zu Garnen versponnen werden. Leinen ist aufgrund seiner Struktur etwas atmungsaktiver, es wird mehr Luft in der Faser eingeschlossen. Tücher mit Leinenanteil wirken anfangs meist sehr steif und brauchen länger, um weich zu werden. Reine Leinentücher sind in der Regel sehr dünn, weshalb sie dann nicht oder kaum steif wirken.

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Hanf

Die Hanffasern werden aus dem Bast der Hanfpflanze gewonnen. Es gibt schon sehr frühe Nachweise über Hanffasern bspw. in Seilen. Das Material wird schon seit sehr langer Zeit verwendet. Ich habe noch kein reines Hanftragetuch gesehen, es wird jedoch in verschiedensten Materialkombinationen verwendet. Ähnlich wie Leinen ist auch Hanf anfangs sehr steif und braucht etwas Zeit um weich zu werden. Dafür ist das Material gerade bei größeren und schwereren Kindern beliebt, weil es mehr stützen soll. Hinzu kommt die atmungsaktive Funktion, die etwas höher ist als bei Baumwolle.

Seide

Einige Kokons der Seidenraupe.

Die Seidenfaser wird aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen. Es handelt sich dabei um eine sogannte Endlos-Faser und wurde ursprünglich hauptsächlich in China gewonnen. Bei Seidengarnen werden einzelne gehaspelte Seidenfäden miteinander verzwirnt. Sie wird dabei hauptsächlich als Schussgarn verwendet. Seide macht Tragetücher sehr weich, je nach Anteil und anderen Materialien manchmal auch etwas rutschig. Sie liegt angenehm auf der Haut und ist nicht kratzig. Beim Waschen ist Seide weniger robust und muss behutsamer behandelt werden.

Wolle

Ein Schaf.

Es gibt verschiedene Wollarten, die in Tragetüchern verwendet werden. Bekannt ist u.a. die Merinowolle, welche vom Merinoschaf gewonnen wird. Sie ist sehr fein und weich. Außerdem ist sie sehr elastisch, weshalb es mittlerweile auch elastische Tragetücher aus Wolle gibt. Ansonsten wird sie oft als Materialgemisch mit Baumwolle verwendet und hat dabei sehr temperaturausgleichende Eigenschaften. Je nach verwendeter Wollart kann sie auch leicht kratzig wirken. Die Pflege von Wolltüchern ist in der Regel etwas aufwändiger, da sie bei "falschem" Waschen leicht verfilzen, was nicht rückgängig gemacht werden kann.

Kaschmir

Eine kashmirziege.

Vollständig heißt es eigentlich Kaschmirwolle, welche von der Kaschmirziege gewonnen wird. Damit ist es neben der Merinowolle eigentlich nur eine weitere Wollart. Bei der Kaschmirwolle wird das Unterhaar verwendet, welches sehr fein und weich ist. Sie hat ein geringes Eigengewicht und schließt viel Luft ein, weshalb sie Wärme gut speichert. Kaschmir ist wohl die teuerste und wertvollste Naturfaser, die in Tragetüchern verwebt wird. Daher ist sie nicht in Reinform zu finden, zumindest kenne ich es nicht, sondern bspw. als Materialgemisch mit Baumwolle oder auch mit anderen Wollsorten.

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Bambus

Die Bambusfaser ist eine Bastfaser, welche mittels bestimmter Verfahren zu einem Garn versponnen wird. Wird Bambus in seiner Reinform als Garn in Tragetüchern genutzt, ist er recht steif und fest. Er hat dabei ähnliche Eigenschaften wie Hanf. In vielen Fällen wird er jedoch als Viskose verwendet.

Viskose

Viskose kann als Grundrohstoff verschiedenste Holzsorten haben, in Tragetüchern wird meist Bambusviskose verwendet. Dabei wird das Holz mithilfe von Chemikalien zu einer klebrigen Masse verarbeitet und schließlich als Faser aufgespritzt. Es handelt sich daher um eine Kunstfaser, welche beim Waschen etwas empfindlicher ist. Im Gegensatz zum reinen Bambus, ist die Bambusviskose sehr weich und glänzend. Sie kann beim Straffen auch schonmal leicht rutschig wirken.

Kapok

Kapok ist ein Material, welches (noch) nicht so häufig in Tragetüchern verwendet wird. Es handelt sich dabei um die Hohlfaser des Kapokbaumes, welcher in den Tropen wächst. Kapok schließt sehr viel Luft in den Fasern ein, weshalb es als sehr temperaturausgleichend gilt.

Tencel

Tencel ist eigentlich nur der Markenname des Materials Lyocell. Lyocell ist reine Cellulose, die mit Direkt-Lösemittelverfahren zu einem Garn versponnen wird. Die Fasern sind insgesamt sehr weich und absorbieren Feuchtigkeit.

Modal

Modal ist der Viskose relativ ähnlich. Es besteht aus reiner Cellulose und wird hauptsächlich aus Buchenholz gewonnen. Modal kann Feuchtigkeit gut aufnehmen, trocknet aber sehr schnell. Das ist nach dem Waschen angenehm, weil Tragetücher mit Modal kürzer zum Trocknen brauchen.

Ramie

Ein anderer Name für Ramie ist Chinagras. Dieses gehört zu den Brennnesselgewächsen. Die Fasern werden aus dem Bastteil der Stängel gewonnen. In den Eigenschaften ist Ramie Leinen sehr ähnlich. Das Material gilt als hochwertig, und ist deutlich teurer als bspw. Baumwolle. Dies liegt an der aufwendigen Herstellung.


Ich habe euch hier die gängisten Materialien dargestellt. Einige exklusive Hersteller wie bspw. Solnce oder Artipoppe verwenden noch ganz andere, außergewöhnliche Materialien. Hier werden teilweise auch Silber, Seetang, Perlen, verschiedene Kunststoffe, Glitzer oder Minze verwendet. Manchmal finden dabei dann auch vier oder mehr verschiedene Materialien in einem Tragetuch Verwendung.

Das Titelbild, sowie alle im Artikel verwendeten Bilder kommen von pixabay.com.


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Über die Autorin
Ein Foto vom Autoren dieses Blogposts: Natalie Clauss

Natalie Clauss, ist Mutter eines Sohnes, Trageberaterin und Stoffwindelberaterin. Natalie ist außerdem examinierte Ergotherapeutin, sodass anatomische Grundlagen, psychologische Aspekte wie Bindungstheorien und Krankheitswissen, ihre Artikel immer auch fachlich stützen.
Natalie hat Fortbildungen zum Tragen von Frühgeborenen, Kinesio-Taping und Qigong absolviert. Seit einiger Zeit schreibt sie mit Freude in diesem Blog. Hier veröffentlicht sie Testberichte zu Stoffwindeln, Tragetüchern und Tragehilfen, aber auch persönliche Themen sind hier zu finden.


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