Familienbegleitung
Natalie Clauss

Am Rande des Wahnsinns

erschienen

Ich habe heute diesen Text von mir gefunden. Er ist schon etwas älter, aber ich möchte ihn gerne mit euch teilen. Es geht um eigene Grenzen und vielleicht auch darum, über sich hinaus zu wachsen und Situationen zu meistern, von denen wir es vorher nicht für möglich gehalten hätten. Aber hauptsächlich geht es um Schlafmangel. Schlafmangel, wie wir ihn vorher nicht für möglich gehalten hätten.

Heute ist mal wieder so ein Tag, bei dem ich einfach nur froh bin, wenn er vorbei ist. Wenn ich endlich schlafen kann. In der Hoffnung, dass es mehr als eine halbe Stunde sein wird. Als ich schwanger war, habe ich mir darüber, ehrlich gesagt, kaum Gedanken gemacht. Zumindest ist es mir nicht mehr bewusst. Ich hatte keine Vorstellung davon, welche Ausmaße Schlafmangel eigentlich annehmen könnte und mein Sohn war da noch recht unkompliziert. Es ist sicher sinnvoll, dass sich keine Schwangere die vielen fehlenden Schlafstunden auch nur ansatzweise vorstellen kann.

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Natürlich gibt es immer gute und schwierige Phasen. Gerade am Anfang habe ich nachts irgendwann gar nicht mehr gemerkt, wann ich gestillt habe. Wir sind beide beim Stillen eingeschlafen und er konnte auch nachts nach Bedarf an die Brust, sodass ich häufig nicht sagen konnte, wie oft er getrunken hatte in der Nacht. Da haben meine Hormone mir gute Dienste erwiesen. So konnte ich, wenn ich denn aufgewacht war, auch sofort wieder einschlafen. Ganz im Gegensatz zu meinem Mann, der dann oft stundenlang wach war und für den der Schlafmangel noch viel schlimmer gewesen sein musste. Irgendwann hat mein Mann dazu sogar mal einen witzigen Blogartikel verfasst, den wir leider leider nicht mehr finden.

Mittlerweile ist mein kleines Mäuschen schon über zwei Jahre alt. Doch irgendwie ist es nicht besser geworden. Nur anders. Ich bin seit mehr als einem Jahr wieder in der Ausbildung und damit ca. 40 Stunden pro Woche entweder in der Schule oder im Praktikum. Dadurch fällt die Entspannung während der Mittagsschlafzeit weg. An langen Tagen merke ich, wie mein Reizlevel, wie ich es gerne nenne, sinkt. Es braucht dann deutlich weniger bis ich auch schon mal laut werde, was mir im Nachhinein immer sehr leid tut, weil es weder mit meinem Mann noch mit meinem Sohn noch mit sonst irgendwem zusammen hängt. Deshalb möchte ich auch mehr für mich tun, damit ich weniger gestresst bin.

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Normalerweise schläft mein Sohn seit einiger Zeit durch oder wacht einmal in der Nacht auf. Damit komme ich auch meistens gut zurecht. Doch darauf kann ich mich nun mal nicht verlassen, mal ganz abgesehen davon, dass das purer Luxus ist. Wenn er aber krank ist oder einen Schub macht, sei es kognitiv, emotional oder auch im Wachstum, ist plötzlich wieder alles anders. In solchen Phasen ist es schön, wenn wir zwei Stunden am Stück schlafen können. Plötzlich möchte er etwas vorgelesen haben, etwas essen oder sonst irgendwas, was nicht in meine Vorstellung von Nacht und Schlaf hinein passt.

Hier ertappe ich mich wieder beim „Erwartungsproblem“ von mir als Mutter, welches Nora Imlau in ihrem Buch „Mein kompetentes Baby“ so schön beschrieben hat. Eigentlich ist das Problem nicht mein Sohn. Das Problem ist, dass meine Erwartungen nicht zu der Realität und zum Programm im Kopf meines Sohnes passen. Doch damit ist es tatsächlich nur mein Problem, welches ich irgendwie lösen muss. Manchmal fällt mir das schwer, vor allem wenn ich völlig übermüdet gefühlt nicht mehr klar denken kann. Doch hier heißt es, Erwartungen herunter schrauben.

Heute waren wir beispielsweise zusammen zu Hause, weil er krank ist. Ich war vollkommen müde vom ständig unterbrochenen Schlaf und habe mich dennoch auf die Zeit mit ihm gefreut. Wir haben gekuschelt, haben gemalt und viel gespielt und herumgealbert. Doch ich merkte auch, wie sehr ich mich nach einer Pause und damit dem Mittagsschlaf sehnte. Wir machten schließlich einen Spaziergang, bei dem er für eine halbe Stunde einschlief. So hatte sich, wie sich später herausstellte, das Thema Mittagsschlaf erledigt. Ich musste mich den Nachmittag über zurücknehmen und war froh, als mein Mann endlich von der Arbeit kam. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte ihn nicht anschreien, wenn mich etwas störte, wofür er nichts konnte. Und ich merkte auch, dass mir das immer schwerer fiel. Doch wenn die Zeit absehbar ist, funktioniert das gut. Jetzt ist es noch nicht einmal 20 Uhr und mein Sohn schlummert selig im Bett und ich freue mich auf die Pause und die Zeit für mich (und meinen Mann). Genießt euren Abend!

Bildquelle:

Das Titelbild ist ein Foto von Vladislav Muslakov und kommt von unsplash.com.

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