Familienbegleitung
Natalie Clauss

Bitte, gib mir etwas Zeit!

erschienen

Je älter ich wurde, desto mehr habe ich festgestellt, dass die Zeit doch gefühlt immer schneller vorüberging. Wenn ich mich in mich als Kind hineinversetze, ging die Adventszeit beispielsweise gefühlt eine Ewigkeit bis endlich Weihnachten war. Das machte auch kein Adventskalender besser. Der letzte Advent gefühlt schon vorbei, kaum dass er angefangen hatte. Warum verändert sich das Gefühl von Zeit so sehr? Seit du auf der Welt bist, ist es noch viel stärker geworden. Vielleicht liegt es daran, dass Babys und Kleinkinder noch so extrem viel lernen und sich so schnell weiterentwickeln, wie wir es kaum woanders sehen und miterleben dürfen. Mittlerweile ist es schon mehr als drei Jahre her, dass ich von der Schwangerschaft erfuhr und ich kann mich noch genau daran erinnern. Die Geburt, die ersten unsicheren Versuche mit dem Tragetuch, dein erstes Lächeln, all das verging wie im Flug. Und ich... ich komme nicht mehr mit. Gerade warst du noch mein kleines Baby, welches mittags immer im Tragetuch eingeschlafen ist beim Spaziergang. Gerade lagst du noch in meinem Arm und saugtest ungeduldig an meiner Brust. Das alles geht mir zu schnell.

Eine Hand hält einen Stift und ein beschriebenes Briefpapier. Es titelt: Bitte gib mir etwas Zeit.

In den letzten Tagen ist mir wieder bewusst geworden, wie groß und selbstständig du mittlerweile geworden bist. Ich muss loslassen, dir Freiräume lassen, damit du lernen und entdecken kannst. Es ist wunderbar zu sehen, wenn du vollkommen fasziniert einen Stein betrachtest oder einer Kirchenglocke lauschst, die du so liebst. Mit jedem Moment entwickelt sich dein Gehirn weiter, es bilden sich tausende von Synapsen. Unsere Beziehung verändert sich. Nein, nicht zum Schlechten, auf keinen Fall! Aber es ist einfach anders und ich hätte gerne gesagt: Bitte, gib mir etwas Zeit. Zeit, dich zu betrachten. Zeit, dir beim Schlafen zu zu sehen. Zeit, dich zu tragen und zu halten. Zeit, dich zu stillen. Mir fallen noch viele Dinge mehr ein. Doch das geht nicht, die Zeit geht nun mal immer weiter. Deshalb ist es mir so wichtig, die schönen Momente zu genießen und bewusst zu leben! Ja, manchmal ist es nervig, dass wir für eine Strecke, für die ich alleine 5 Minuten brauchen, zusammen 30 Minuten brauchen, weil eben alles spannend ist. Aber vielleicht habe ich genau das verlernt: mich zu wundern und fasziniert zu sein. Gerade weil die Zeit unglaublich schnell vergeht, du schnell groß und selbstständig wirst, möchte ich dir Raum schenken, die Welt zu betrachten und zu entdecken. Ich liebe dich, mein Kind!

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