Familienbegleitung
Natalie Clauss

Die Geburt meiner Tochter

erschienen

Ich wurde nun schon mehrfach gefragt, ob ich denn auch einen Geburtsbericht schreiben würde und nun setze ich mich hier hin und versuche diese Zeilen zur Geburt zu verfassen. Der Bericht wird nicht allzu sehr ins Detail gehen. Ich möchte eher aufschreiben, was mir geholfen hat und wie ich mich gefühlt habe. Mal sehen, was dabei heraus kommt. Den Anfang der Geburt konntest du schon im Schwangerschaftsbericht zum 10. Monat lesen, ich werde es hier allerdings erneut aufschreiben.

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Es ist Mittwoch, ich bin nun bei ET+2 angekommen. Mein Sohn ist zu Hause, weil im Kindergarten Ferien sind. Ich habe schon seit Tagen immer wieder Wehen, doch bisher ist alles ruhig geblieben. So geht auch der Vormittag weiter. Wir machen einen ausgiebigen Spaziergang und mein Sohn fährt mit dem Fahrrad. Ich laufe ziemlich schnell, damit er nicht ständig warten muss. Das Laufen tut mir gut und lenkt mich ab. Wieder zu Hause angekommen, bin ich jedoch ziemlich erschöpft. Da bin ich froh, dass Noah bald abgeholt wird, um bei einer Freundin zu spielen. Ich merke auch weiterhin Wehen, die gerade sehr kräftig sind. Mein Rücken schmerzt und ich frage mich, ob das vom Laufen kommt.

Als Noah weg ist, lege ich mich ins Bett und versuche mich auszuruhen. Ich will am liebsten auch schlafen, aber der schmerzende Rücken hält mich wach. Das Liegen ist aber dennoch sehr angenehm. So sind auch die seltenen, starken Wehen gerade gut aushaltbar. Schließlich kommt mein Mann von der Arbeit und ich bin dankbar, dass er Noah abholt, ich möchte gerade nicht mehr weg.

Den ganzen Abend habe ich seltene, starke Wehen. Zum Glück habe ich noch relativ gut Appetit, sodass ich gut essen kann. Mein Mann bringt unseren Sohn ins Bett, ich bin zu unruhig und kann während der Wehen nicht mehr sprechen. Wir schauen dann gemeinsam Serie und es verändert sich erstmal nichts. Zu der Uhrzeit, zu der ich normalerweise ins Bett gehe, merke ich, dass ich nicht kann. Irgendetwas hält mich wach und ich bin auch weder müde noch erschöpft. Ich bemerke außerdem, dass die Abstände der Wehen etwas kürzer werden und die Rückenschmerzen schlimmer. Irgendetwas ist anders. Die Wehen fühlen sich anders an. Ich bilde mir auch ein, eine Veränderung am Muttermund zu spüren, doch gleichzeitig habe ich Angst, dass es wieder nur Übungswehen sind.

Der Rücken drückt immer mehr und kurz vor Mitternacht ruft mein Mann meine Hebamme an. Ich hatte Angst, sie früher zu rufen, nicht dass es wieder nur eine Probe ist. Sie kommt schnell vorbei und untersucht mich. Sie ist dabei ganz vorsichtig und einfühlsam. Es kommt eine Wehe, die sehr unangenehm während der Untersuchung. Endlich sagt meine Hebamme das, was ich eigentlich innerlich schon wusste: "Das ist Geburt!". Mein Muttermund war bereits 4cm geöffnet. Meine Hebamme fragte, ob sie bleiben oder noch einmal fahren solle. Ich will sie bei mir haben. Sie fährt noch einmal kurz ins Geburtshaus und mein Mann bereitet bei uns zu Hause alles vor.

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Die Rückenschmerzen während der Wehen sind nun gut auszuhalten mit dem Wissen, dass sie nicht "sinnlos" sind. Nur ist mir nun immer übel und ich muss würgen, vor allem am Ende jeder Wehe. Ich spüre eine unglaubliche Kraft in mir und das Tönen während der Kontraktionen hilft mir diese Kraft auszuleben. Es fühlt sich nicht schmerzhaft an, einfach nur kraftvoll. Ich fühle mich stark und merke, dass gerade viel passiert. Meine Hebamme kommt wieder und ruht sich auf dem Boden aus. Ich komme mithilfe meines Mannes gut mit den Wellen klar. Ich wechsle immer wieder die Positionen und kann selbst entscheiden und sagen, was ich brauche.

Gegen 2 Uhr möchte meine Hebamme mich untersuchen. Sie hat das Gefühl, dass die Fruchtblase bald platzen könnte. Mein Muttermund ist nun bereits 8-9cm geöffnet und die Fruchtblase könnte jeden Moment platzen. Sie ist sehr prall und mein Mann wärmt schon die Handtücher für das Baby vor. Ich kann es nicht glauben, dass das so schnell geht.

Doch die nächsten Minuten fordern meine Kraft. Der Kopf rutscht einfach nicht ins Becken und gleichzeitig drückt er mit jeder Wehe gegen die Kaiserschnittnarbe. So langsam muss er tiefer rutschen. Meine Hebamme untersucht mich erneut. Jetzt ist der Kopf zumindest richtig eingestellt. Wir besprechen, dass sie die Fruchtblase öffnet, weil diese so prall ist und wahrscheinlich das Tieferrutschen verhindert. Es kommt wirklich viel Fruchtwasser und ich hoffe, dass es nun endlich weitergeht.

Ich bewege mich wieder etwas mehr. Meine Hebamme macht mir Angebote für Positionen während der Wehen, um das Fortschreiten der Geburt zu unterstützen. Ich bin dankbar für ihre Unterstützung. Ich bin nun während der Wehen auch deutlich lauter und möchte, dass endlich etwas passiert. Es dauert noch gefühlt eine Ewigkeit, doch dann rutscht der Kopf deutlich spürbar endlich tiefer. Und dann geht alles sehr schnell. Ich spüre einen unglaublichen Druck nach unten und möchte mitschieben. Ich habe wieder Kraft. So viel Kraft, wie ich zwischenzeitig nicht mehr hatte. Ich schiebe mit und es geht alles sehr schnell. In einer Wehe werden der Kopf und auch der restliche Körper geboren. Es zieht, doch dieses Ziehen geht vollkommen unter als ich mein Baby sehe, dass meine Hebamme mir zwischen meine Beine gelegt hat.

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Mein Mann kommt mit meinem Sohn rein. Noah war irgendwann aufgewacht und mein Mann musste sich um ihn kümmern. Doch jetzt waren wir da. Zu viert. Mit der Hilfe meiner Hebamme lege ich mich aufs Bett und wir kuscheln. Nach ungefähr einer halben Stunde spüre ich erneut einen Druck nach unten und die Plazenta wird vollständig geboren.

Mir hat während der gesamten Geburt geholfen, dass ich mich frei bewegen konnte. Ich hatte die volle Entscheidungsmacht und die volle Verantwortung. Ich hatte mir vorher bewusst gemacht, was ich mir wünsche und was wir im Notfall tun würden, der glücklicherweise nicht eingetreten ist. Ich habe mich während der Wehen hingelegt und ausgeruht, um Kraft zu tanken. In den Wehen selbst war ich laut, weil ich merkte, dass es mir gut tat. Mir war dabei vollkommen egal, dass unsere Nachbarn mich sicherlich hörten. Mir war alles um mich herum egal. Es zählten nur noch mein Baby und ich. Ich bin sehr dankbar, eine so schmerzarme und selbstbestimmte Geburt erlebt zu haben.

Bildquelle:

Das Titelbild kommt von unsplash.com.

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