Familienbegleitung
Natalie Clauss

Was macht eine gute Tragehilfe aus?

erschienen

Da es mittlerweile so viele verschiedene Tragehilfen auf dem Markt gibt, ist es ohne Vorwissen schwierig zu erkennen, welche Trage nun ganz allgemein eine ergonomische Haltung für Baby und Tragenden ermöglicht und welche Trage vielleicht nicht ganz optimal ist. Ich möchte dir aber ein paar Anregungen geben, worauf du achten kannst. Wenn eine Tragehilfe ein bestimmtes Kriterium nicht erfüllt, heißt das nicht, dass die Trage schlecht oder gar schädlich ist. Es ist letztendlich ganz egal, wie getragen wird, Eltern und Kinder profitieren immer, und wirklich immer, davon, wenn sich beide damit wohlfühlen.

1. Verstellbare Stegbreite

Damit eine Trage die sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung (kurz ASH) ermöglichen kann, muss der Stoff der Trage in den Kniekehlen des Kindes sitzen. Die Anhock-Spreiz-Haltung stellt übrigens die optimale Haltung für die Hüftentwicklung des Kindes dar. Dabei sind die Knie des Babys leicht angehockt (ca. auf Bauchnabelhöhe) und die Beine abgespreizt. Damit der Stoff, auch wenn die Babys wachsen, weiterhin in den Kniekehlen sitzt und auch vorher kleiner gemacht werden kann, damit sie überhaupt passt, ist eine verstellbare Stegbreite wichtig. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei den meisten Tragehilfen wird dies mit Klett gemacht, einige habe Kordeln oder zusätzliche Einsätze zum Anpassen.

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2. Ausreichende Rücken- und Nackenstützung

Eine Tragehilfe sollte das Baby im Rückenbereich, im Nacken und am Kopf ausreichend stützen. Dazu ist es wichtig, dass das Kind nicht zur Seite "wegsacken" kann. Manchmal liegt hier das Problem aber auch darin, dass die Trage nicht fest genug angelegt wurde. Gleichzeitig sollte der Rücken in der Tragehilfe rund werden können, nicht zu verwechseln mit dem pathologischen, also krankhaften, Rundrücken. Dafür muss der Stoff weich sein, ein spezieller "Tragetuchstoff" ist jedoch nicht notwendig. Auch der Kopf muss gut genug gestützt werden (können), auch wenn die Kinder eigentlich schon eine sichere Kopfkontrolle haben. Im Schlaf kann nicht einmal ein Erwachsener den Kopf halten. Von Vorteil ist häufig, wenn die Weite im Nacken angepasst werden kann. Hierbei sollte allerdings kein punktueller Druck entstehen, wie bspw. durch einen Kordelzug.

3. Wenig Druck auf den Rücken

Die Wirbelsäule eines Neugeborenen richtet sich mit der motorischen Entwicklung erst nach und nach auf. Daher sollte beim Kauf einer Trage darauf geachtet werden, dass möglichst wenig Druck auf den Rücken des Kindes ausgeübt wird. In der Praxis heißt das, die Träger sollten nicht am Rückenteil, sondern am Bauchgurt, befestigt sein. Dadurch kann der Rücken eben, wie oben auch schon erwähnt, eine gesunde Rundung einnehmen. Dieser Punkt ist einer der häufigsten Punkte, die die "Tragepolizei" als schädlich vorwirft. Daher wird Eltern manchmal sehr unsanft gesagt, sie würden mit der Manduca oder ähnlichen Tragen ihrem Kind schaden. Das ist nicht der Fall! Wenn du eine solche Tragehilfe zu Hause hast, kannst du sie gerne auch vor Sitzalter nutzen. Außerdem ist nicht pauschal zu sagen, dass jede Tragehilfe Druck auf den Rücken des Babys aufbaut, wenn die Träger am Rückenteil befestigt sind. Hier muss immer auch individuell geschaut werden.

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4. Gesicht zum Tragenden

Im Gegensatz zum Punkt oben mit den Schnallen oder Träger, die am Rückenteil befestigt werden, finde ich weniger Diskussionspotenzial bei diesem Punkt. Es ist wichtig, dass Babys und Kinder mit dem Gesicht zu uns, also dem Tragenden, getragen werden. Nur hier kann eine ergonomische Haltung des Rückens und der Hüfte ermöglicht werden. Weiter denken wir zunächst, dass es sehr schön ist, wenn unsere Kinder viel sehen, doch wir bemerken gar nicht schnell genug, wie schnell sie eben auch überreizen. Sie haben bei dieser Tragerichtung keinerlei Rückzugsmöglichkeit. Beim Tragen auf dem Rücken schauen sie natürlich auch nach vorne, können sich aber hier ebenfalls jederzeit im Nacken ankuscheln. Das Tragen auf dem Arm mit dem Gesicht nach vorne stellt übrigens weniger ein Problem dar, denn die wenigsten Eltern halten das mehr als 10 Minuten ohne Unterstützung durch. Das Tragen mit dem Gesicht nach vorne finde ich für einen kurzen Moment in einer ruhigen Umgebung in Ordnung. Es sollte jedoch auf ausreichende Stützung und keine Überreizung geachtet werden.

5. Bequem für den Tragenden

Ein wichtiger und häufig auch unterschätzter Punkt ist die Bequemlichkeit für den Tragenden und die kann ich leider in keinem Forum und in keiner Elterngruppe nachlesen. Jeder empfindet etwas anderes als bequem, hat andere Vorlieben und Proportionen und da hilft dann eben nur ausprobieren. Das geht in einer Trageberatung oder in Form eines Leihpakets aus einem Onlineshop. In Großstädten gibt es manchmal auch Läden, wie Helden-Tragen in Augsburg, die verschiedene empfehlenswerte Tragehilfen im Sortiment haben.

6. Qualität wie bspw. ohne Schadstoffe

Eigentlich sollte dieser Punkt über allen anderen Punkten vorher stehen, denn es ist selbstverständlich, dass eine Tragehilfe schadstofffrei sein sollte. Die Stoffe sollten so gefärbt sein, dass sie speichelfest sind. Schnallen sollten getestet sein, dass dort keine qualitativen Mängel vorliegen, die die Sicherheit beim Tragen gefährden. Weiter sollten die Stoffe nach Möglichkeit kunstfaserfrei, also möglichst natürlichen Ursprungs und wenig behandelt sein. Diese Punkte werden mittlerweile aber sehr genau, nicht nur von den Herstellern selbst, sondern auch von verschiedenen Prüfstellen betrachtet, sodass wir als Nutzer da nicht mehr als Hauptpunkt darauf achten müssen.

Anhand dieser Kriterien könnt ihr einen ersten Eindruck gewinnen, ob eine Tragehilfe für euch geeignet ist oder eben nicht. Besonders die Bequemlichkeit für den Tragenden kann aber leider nur durch Ausprobieren festgestellt werden.

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