Familienbegleitung
Natalie Clauss

Eine Nacht voller Übungswehen

erschienen

Jetzt war es nicht mehr lange bis zum errechneten Geburtstermin, um genau zu sein 4 Tage. Klar, es ist nur eine Orientierung, ich weiß. Ich wurde langsam nervöser und wollte, dass es endlich losging. Nächste Woche würden die Kindergartenferien beginnen und ich stellte es mir schwanger ziemlich anstrengend vor.

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Mein Mann hatte abends noch einen Termin, ich war also alleine mit Noah und brachte ihn ins Bett. Er hatte mittags und nachmittags nicht geschlafen, weshalb das überhaupt kein Problem war. Mein Mann war sogar noch da, als er schon schlief. Ich merkte, dass Igor wegen des Termins angespannt war und wir sprachen über andere Dinge und ich machte ihm Mut.

Kaum war er weg spürte ich ein leichtes Ziehen in der Gebärmutter und war gespannt. War das eine erste leichte Geburtswehe? Sollte es heute losgehen? Der Zeitpunkt war eigentlich perfekt, wobei es so etwas wohl gar nicht gibt. Ich setzte mich an den Laptop und arbeitete ein bisschen an angefangenen Artikeln weiter. Die nächste Welle kam - und dann wieder eine. Die Abstände waren lang, ich hatte aber nicht auf die Uhr geschaut, auch nicht wegen der Länge der Wellen.

Langsam konnte ich mich nicht mehr so gut konzentrieren. Ich freute mich und war etwas aufgeregt. Sollte es wirklich heute losgehen? Ich achtete nun auf die Abstände und merkte, dass sie schnell kürzer wurden. Nach kurzer Zeit war ich bei einem Abstand von 6 Minuten und die Wellen dauerten immer ungefähr eine Minute. Ich lief in der Wohnung umher, wenn die Kontraktionen kamen, das war für mich am angenehmsten.

Nach ungefähr zwei Stunden kam mein Mann zurück und war direkt total euphorisch und gespannt. Er erzählte mir, dass er an diesem Tag mehrere Male auf der Arbeit irgendwie gedacht hatte, dass es heute losgehen würde. Ich hatte schon etwas aufgeräumt, als er weg gewesen war und er machte weiter. Ich wollte während der Wellen nicht reden und mich dazwischen ausruhen. Es strengte mich nicht sonderlich an, aber ich merkte, wie es in meinem Kopf arbeitete. Ich merkte auch, dass ich nun anders atmete, um mit Kontraktionen klar zu kommen.

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Doch ich war mir noch immer nicht sicher, was das war. Waren es nur Übungswehen? Oder war das Geburt? Bei Noah war sowieso alles anders gewesen… Ich war mir unsicher, ob ich meine Hebamme anrufen sollte. Als die Abstände noch kürzer wurde, rief ich sie doch einmal an und wir entschieden erst einmal so weiterzumachen und abzuwarten. Um Mitternacht ungefähr wurde ich sehr müde, obwohl ich mich auch zwischendurch immer wieder hinlegte. Mein Mann und ich versuchten beide etwas zu schlafen. Ich merkte dabei, dass die Wehen nachließen und schlief ein.

Gegen 3 Uhr waren sie wieder da und kamen im Abstand von ungefähr 3 Minuten, aber ich merkte noch immer nicht besonders viel Druck nach unten währenddessen. Ich war etwas traurig und befürchtete, dass es tatsächlich nicht die Geburt war. Ich rief erneut meine Hebamme an und sie kam gegen 4 Uhr vorbei, um mich zu untersuchen. Und ja, es hatte sich nichts getan. Der Gebärmutterhals war weiterhin lang und der Muttermund geschlossen. Ernüchternd und deprimierend. Sie gab mir Tipps, wie ich versuchen konnte, dass die Wellen schwächer wurden und gar ganz aufhören konnten.

Ich versuchte es und tatsächlich hörten sie nach einer halben Stunde auf. Ich legte mich ins Bett und wollte nur noch schlafen. Traurig und enttäuscht. Als mein Sohn kurze Zeit später von seinem Bett runter zu uns kam, war ich froh mit ihm kuscheln zu können. Das tat mir gut.

Es war eine unglaublich anstrengende Nacht. Und so deprimierend im Nachhinein. Meine Hebamme machte mir deutlich, dass das vorkommt. Das ist nervig, aber es gehört dazu. Mein Körper bereitet sich vor. Ich zweifelte an mir und war sehr glücklich, dass ich mit meinem Mann darüber sprechen konnte. Er machte mir Mut. Und jetzt bin ich gespannt auf die Geburt und freue mich weiterhin mit einem gewissen Respekt auf diese Erfahrung.

Bildquelle:

Das Titelbild kommt von pixabay.com.

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