Familienbegleitung
Natalie Clauss

Nein! - Warum dieses Wort so wichtig ist

erschienen

"Nein". Ich glaube dieses Wort hören Eltern von Kleinkindern ständig. Besonders zu Beginn der Autonomiephase scheinen viele Kinder gar nichts anderes mehr zu sagen. Nein scheint die Antwort auf alles zu sein und Nein scheint auch die Reaktion auf alles zu sein, was wir als Eltern tun. Gar nicht so einfach… Wie soll ich mich da als Mama verhalten?

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Die Autonomie- oder auch Trotzphase ist für die meisten Eltern sehr anstrengend. Unsere eigentlich noch so kleinen Kinder wollen auf einmal groß sein und alles alleine machen. Weitere Worte, welche deshalb in dieser Zeit häufig gesagt werden sind "Selber" oder "Alleine". Da sehen wir unser nicht mal 2-jähriges Kind, wie es alleine über die Straße gehen will, alleine den Hof fegen möchte und alleine baden will. Nun manche Sachen leuchten uns vielleicht noch ein, dass unsere Kinder sie nun alleine machen möchten und Nein zu unserer Hilfe sagen. Aber alleine über die Straße gehen? Da hört der Spaß dann doch auf…

Ja, es gibt Situationen, in denen wir über das Nein unserer Kinder hinweggehen müssen. Das sind aber wirklich Gefahrensituationen, wie ich sie manchmal nenne. Kinder können einfach nicht unangeschnallt im Auto fahren oder ohne Helm im Fahrradsitz sitzen. Sie können nicht alleine zur Krippe laufen oder alleine zu Hause bleiben. All das sind Dinge, die sind schlicht zu gefährlich für ein Kleinkind, weil ihre Erfahrung dafür noch nicht ausreicht, um die Konsequenzen überblicken zu können. Auch muss dafür das Gehirn noch mehr reifen, damit eine Situation besser überblickt und eine potentielle Gefahr eingeschätzt werden kann.

Doch das sind eher die Ausnahmesituationen. Wie oft am Tag fahre ich mit dem Auto oder gehe über die Straße. Das ist weitaus seltener im Vergleich zu den Nein's, die ich von meinem Kind zu hören bekomme. In vielen Situationen kann ich das Nein meines Kindes respektieren. Nein, eigentlich kann ich es nicht nur, ich muss es sogar, wenn es irgendwie möglich ist. Mein Kind möchte etwas und diesen Wunsch muss ich respektieren. Ich will, dass mein Kind lernt, dass ein Nein etwas zählt. Ich will, dass es lernt, dass ich dieses Nein respektiere. Ich will, dass mein Kind mir diese persönliche Grenze zeigt, denn das ist gut so. Es übt sich abzugrenzen und wird so zunehmend selbstständiger.

Ich will, dass mein Kind niemals Angst haben muss, Nein zu sagen. Nicht jetzt und zu keiner Zeit. Und das geht nur, wenn ich versuche dieses Nein zu akzeptieren. Ja, vielleicht wird es nicht klappen, dass es die Schuhe ohne meine Hilfe anzieht. Aber ich muss mein Kind es versuchen lassen, denn nur so ist Lernen möglich. Ich muss meinem Kind ermöglichen eigene Erfahrungen zu machen, auch wenn es vielleicht mal daran scheitern wird. Doch dann sind wir als Eltern da, um sie aufzufangen. Wurzeln und Flügel. Verbundenheit und Autonomie. Das sind zwei Grundbedürfnisse, die alle Menschen in sich tragen und die wir alle ausleben müssen.

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Kinder brauchen den sicheren Hafen, eine sichere Bindung zu uns Eltern, um sich ausprobieren zu können. Sie müssen wissen, dass sie immer wieder zu uns zurückkommen können, und das werden sie tun, wenn sie sich unsicher fühlen. Doch jetzt hole ich etwas zu weit aus…

Unsere Kinder müssen jedenfalls erfahren, dass ihr Nein einen Wert hat. Sonst werden sie es irgendwann nicht mehr sagen. Nun in der Kindheit mag das für uns dadurch vielleicht einfacher werden. Doch dadurch hindern wir die Kinder daran, eigene Erfahrungen zu machen. Wir hindern sie daran zu scheitern und Fehler zu machen. Aber nur daraus können sie lernen. Wir können unsere Kinder nicht beschützen. Lassen wir sie lieber jetzt die Fehler machen, damit sie den Umgang damit lernen. Damit sie ihre Frustrationstoleranz behalten. Und damit sie weiterhin so ausdauernd sind, wenn sie etwas wirklich wollen. Vielleicht klappt es ja doch, dass unser Kind sich alleine die Schuhe anzieht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht wird es dann üben und üben und üben bis es das schließlich kann. Die meisten von uns Erwachsenen hätten wahrscheinlich längst aufgegeben.

Nur wenn unsere Kinder, auch wenn sie noch klein sind, ihr Nein wirklich sagen dürfen, werden sie das später auch noch tun. Womöglich möchte ihnen mal jemand Gewalt antun. Wie schlimm fänden wir es da, wenn sie dann nicht Nein sagen würden?! Aber es muss gar nicht mal so schlimm sein. Es reicht doch schon, dass sie jede unfaire oder schlechte Behandlung ihres Chefs einfach akzeptieren, um nur ein Beispiel zu nennen. Ich wünsche mir auch da, dass meine Kinder sagen, dass das nicht in Ordnung ist. Ich möchte, dass meine Kinder für ihre Zufriedenheit und ihr Glück einstehen.

Manchmal fehlt uns im Alltag die Zeit und die Geduld, um jedes Nein zu akzeptieren und unsere Kinder immer und immer wieder alles alleine versuchen zu lassen. Oh ja, ich kenne das. Doch dann sollten wir ihnen erklären, warum es uns gerade nicht möglich ist. Und es sollte eine Ausnahme bleiben.

Lasst uns das Nein unserer Kinder wertschätzen, auch wenn es anstrengend ist!

Bildquelle:

Das Titelbild kommt von unsplash.com.

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