Familienbegleitung
Natalie Clauss

Wut im Bauch

erschienen

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wo ich anfangen soll. Ich weiß nicht so recht, was ich schreiben will. Gleichzeitig ist da diese Wut im Bauch, die raus muss. Und sie muss mehr raus als nur einmal gesagt.

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Wir sind gerade auf Familienbesuch in meiner Heimat und dort hat sich ein Teil meiner Verwandschaft versammelt. Ich weiß, dass wir in Sachen Kinder und "Erziehung" mit unseren Meinungen recht weit auseinander liegen. Doch wie weit, das war mir nicht klar.

Ich höre Aussagen wie "Ein bisschen Schreien hat noch niemandem geschadet" und "Also meine Tochter hat mit drei Monate von 8 bis 8 Uhr durchgeschlafen. In ihrem eigenen Bett". Doch das ist es gar nicht, was mich stört. Ich habe da meine Meinung zu. Ich finde, sein Baby schreien lassen schadet sehr wohl. Nein, ich muss nicht sofort alles stehen und liegen lassen, wenn es nicht in Gefahr ist.

Und doch muss ich es nicht hinauszögern, es zu beruhigen und das Bedürfnis, welches dahinter steht, zu befriedigen. Nein, Schreien stärkt nicht die Lungen. Und doch, schreien lassen schadet. Davon bin ich überzeugt und die Wissenschaft stimmt mir zu. Doch ich möchte jetzt gar nicht irgendwelche Studien raussuchen, darum geht es mir nicht. Ich äußere mich also kurz dazu und sofort werde ich übergangen. Und Babys müssen nicht durchschlafen. Das sollen sie auch gar nicht unbedingt. Es hat einen Sinn, dass sie es nicht tun.

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Ich bin einfach nur erschrocken. Erschrocken, wie tief das alles sitzt. Die Angst vor dem Verwöhnen und dass wir unsere Kinder "verziehen" könnten. Wie sollten wir unsere Kinder verwöhnen? Nein, meine 6-monatige Tochter schläft nicht alleine im Bett. Wenn wir abends zusammen spielen oder auch tagsüber schläft sie bei mir in der Trage, ganz nah bei mir. "Bekommst du nicht Rückenschmerzen?" Nein, es ist bequem. Es tut uns gut! Ich kann sie so nicht verwöhnen.

"Schläft er", mein Sohn ist 4,5 Jahre alt, "nicht langsam mal alleine in seinem eigenen Bett ein?" Nein. Das muss er auch nicht, solange er nicht will. Es tut uns gut! Wir können unsere Kinder nicht mit Nähe oder Liebe verwöhnen. Woher kommt diese Angst?

Ich habe gelesen, dass wir Entscheidungen entweder aus Liebe oder aus Angst treffen. Ich möchte meine Entscheidungen aus Liebe treffen und ich denke, dass ich das auch größtenteils mache. Ich verstehe die ganze Kritik daran nicht. Ja, ich bin noch jung. Und nein, ich weiß nicht alles und habe sicherlich auch nicht so viel Lebenserfahrung. Doch würde mich das wirklich weiterbringen? Jeder hat seinen eigenen Erfahrungsberg. Das weiß ich und verstehe ich. Doch kann dann nicht dennoch eine andere Meinung akzeptiert werden? Ich verstehe es nicht. Und es macht mich wütend und traurig.

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Alle Kinder werden groß. Das stimmt. In den allermeisten Fällen jedenfalls. Ich will auch nicht behaupten, dass jedes Kind, welches schreien musste bspw. ein Trauma hat. Dafür habe ich mich zu wenig mit Psychologie und den aktuellen Studien beschäftigt. Und dennoch möchte ich einen anderen Weg gehen. Einen Weg mit meinen Kindern, nicht gegen sie. Einen Weg in Verbindung, in Beziehung. Das ist es, was ich tun kann. Und ich bin fest davon überzeugt, sie werden wunderbare Erwachsene werden. Erwachsene mit einer eigenen Meinung, einem Gespür für andere Menschen.

Aber vielleicht liege ich auch falsch, doch ich gebe mein bestes. Das tun wir alle.

Bildquelle:

Das Titelbild kommt von unsplash.com.

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