Familienbegleitung
Natalie Clauss

Zufriedene Eltern, zufriedene Kinder

erschienen

Wer von euch Eltern tut regelmäßig etwas für sich? Und mit regelmäßig meine ich nicht einmal im Monat. Ich meine mindestens einmal pro Woche, am besten aber in Kleinigkeiten jeden Tag. Ich vergesse das oft und dann merke ich, dass ich jeden Tag schneller gereizt reagiere, dass ich genervt bin von Kleinigkeiten und laut werde. Ich denke, dass es vielen Eltern, häufiger aber noch den Mamas ähnlich geht. Es äußert sich nur nicht bei jedem gleich.

Ich glaube, wir tun uns selbst keinen Gefallen, wenn wir nur noch für unsere Kinder leben und uns selbst dabei vergessen. Und unseren Kindern tun wir damit auch keinen Gefallen, wenn wir uns vollständig in den Hintergrund stellen, wenn wir unsere Hobbies nicht mehr ausüben, wenn wir unsere Freunde nicht mehr sehen und uns nicht auch mal Zeit für ein entspanntes Bad nehmen. Was wären wir auch für Vorbilder, wenn wir so ein Leben führten. Sollten wir unseren Kindern nicht auch zeigen, dass wir selbst und damit sie selbst wichtig sind und dass wir für unsere Bedürfnisse einstehen?

Was tut mir gut?

Wenn ich gefragt werde, was mir jetzt gut tun würde, weiß ich manchmal gar nicht, was ich sagen soll, was gerade eigentlich in mir vorgeht. Die eigenen Gefühle und der eigene Körper werden schnell ignoriert oder zumindest in den Hintergrund gestellt. Viel zu schnell gehen wir darüber hinweg, wenn wir uns mit einer Entscheidung nicht gut fühlen. Doch das ist in vielen Fällen keine andere Person, die darüber hinweggeht. Das sind wir selbst. Wir denken, wir müssen perfekt sein, wir müssen funktionieren. Aber das stimmt gar nicht. Wer ist schon perfekt? Was wäre das Leben schon wert, würden wir nur funktionieren? Wir hätten keine Freude und auch kein, nach meiner Definition, Glück.

Was tut mir gut? Dafür muss ich mich nun also auf eine Reise begeben. Mir hilft es, wenn ich mich einen Moment, oder auch zwei, auf mich besinne. Mir fällt das leichter, wenn ich dabei die Augen schließe. Ich horche in mich hinein, nehme wahr, was ich spüre, was ich empfinde. Ich nehme es nur wahr, doch so leicht wie das klingt, ist das oft gar nicht. Wie schnell kommen wir in dieses Schema, dass wir unsere Gefühle und Wahrnehmungen werten möchten. Doch darum geht es nicht. Wut und Trauer haben genauso ihre Berechtigung, wie Freude und Zufriedenheit.

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Wenn ich also bemerke, dass es mir nicht gut geht, was könnte mir helfen, damit es besser wird. Zunächst einmal sollte das Gefühl seinen Raum bekommen, es darf da sein und es hat seine Berechtigung. Doch was kann ich für mich selbst tun, damit es mir wieder besser geht, damit ich wieder im "Frieden" mit mir bin? Da gibt es viele Möglichkeiten. Es gibt einfache, kurze Sachen, die helfen können und damit sicher auch leichter im Alltag umzusetzen sind und es gibt Sachen, die dauern vielleicht etwas länger. Mir hilft manchmal Yoga, manchmal ein warmes Bad, ein leckeres Essen oder auch nur ein paar Minuten ganz bewusst und tief zu atmen. Was dir gut tut, kann ich dir nicht sagen. Das kann dir niemand sagen. Das musst du selbst herausfinden.

Aber mein Kind ist doch viel wichtiger?!

Nein, das stimmt nicht! Natürlich ist dein Kind in einer gewissenen Weise auf dich angewiesen. Besonders die Bedürfnisse von Säuglingen sollten so schnell wie möglich befriedigt werden. Aber das heißt nicht, dass du weniger wichtig bist. Wie kannst du dein Kind auf seinem Weg begleiten, wenn es dir nicht gut geht? Ich bin fest davon überzeugt, dass Kinder so feine Antennen haben, dass sie sofort spüren, wenn es uns, ihrer primären Bindungsperson, nicht gut geht.

Wenn wir unsere Gefühle nun dauerhaft vernachlässigen, hat das nicht nur zur Folge, dass wir vielleicht schneller gereizt reagieren. Wir zeigen unseren Kindern womöglich auch, dass man schlechte Gefühle überspielt. Doch wollen wir das wirklich? Wollen wir nicht vielmehr, dass sie genau so sein dürfen mit all ihren Gefühlen, wie sie sind? Das Unterdrücken von (negativen) Gefühlen kann uns nicht gut tun. Dabei wollen wir doch glücklich sein. Und mehr noch als das, wollen wir vielleicht das unsere Kinder glücklich sind. Aber dafür brauchen sie all ihre Gefühle. Deshalb finde ich es ungemein wichtig, dass wir auch auf uns achten mit unseren Gefühle und unseren Bedürfnissen. Wir dürfen uns etwas Gutes tun. Ja, wir müssen es sogar. Für uns und für unsere Kinder!

Bildquelle:

Das Titelbild kommt von pixabay.com.

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