Familienbegleitung
Natalie Clauss

Rund um Beikost [Teil 1]: Empfehlungen zum Zeitpunkt der Beikosteinführung

erschienen am

Ich habe Franziska bei meiner Ausbildung zur Stillbegleiterin (DAIS) im letzten Jahr kennen gelernt. Sie begleitet nicht nur beim Stillen, sondern auch zum Thema Beikost. Ihr Ökotrophologiestudium unterstützt dabei ihr fachliches Wissen. Nun hat sie mir zu verschiedenen Beikostfragen kurze Artikel geschrieben. In diesem ersten Teil beschreibt sie die Empfehlungen zum Beginn der Beikosteinführung. (Natalie)

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Beikosteinführung?

Werbung

Während im Laufe des vergangenen Jahrhunderts, aus verschiedenen Gründen, der Trend zu immer früherer Beikost und dem Ersetzen ganzer fester Milchmahlzeiten ging, sind sich heute die Experten zumindest einig: Beikost vor dem vollendeten 4. Lebensmonat/Beginn des 5. Monats ist nicht nur nicht notwendig, sondern kann sich durch die Unreife des Verdauungstraktes sogar schädlich auswirken.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt konkret für Industrieländer, Kinder in den ersten 6 Monaten ausschließlich und anschließend neben geeigneter fester Kost bis zum 2. Geburtstag oder darüber hinaus weiter zu stillen. Die europäischen Empfehlungen der ESPGHAN (European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition) sind da etwas lockerer bei „ungefähr 6. Monaten“ bis zur Beikost.

Etwas Gemüsen. Ein Brokoli liegt zerteilt im Fokus. Im Hintergrund sieht man Möhren.

Da deutsche Kinder nun aber besonders schnell und besonders toll sind, sollen unsere Babys schon nach 4 Monaten die erste Milchmahlzeit durch Brei ersetzt bekommen. Möchte man zumindest meinen, wenn man so manche Broschüre liest. Das sich das in der Form so hält, hat verschiedenen Gründe, die zu erläutern hier etwas den Rahmen sprengen würde.

Nun denn, wenn es um offizielle nationale Empfehlungen geht, sollte man sich an die Empfehlung der Bundesinitiative „Gesund ins Leben“ halten. Daran haben verschiedene, auch industrieunabhängige Institutionen, mitgewirkt. Dort ist von einem Beikoststart zwischen dem 5.-7. Lebensmonat die Rede. Was dabei gern mal unter den Tisch fällt, ist, dass auch hier die individuelle Reife des Kindes berücksichtigt werden soll und kein Stichtag XY.

Man argumentiert heute mit dem Start nach dem 4. Monat (also Beginn des 5. Monats), dass man auch die Babys berücksichtigen will, die eben schon früh so weit sind. Mit der Erklärung kann ich leben. Denn wer schon mal etwas mit Babys zu tun hatte, stellt in der Regel sehr schnell fest, dass ihre Entwicklung in teilweise sehr großzügigen Zeitfenstern stattfindet und eben nicht alle zum gleichen Zeitpunkt auf dem gleichen Stand sind.

Werbung

Grundsätzlich ist für ein gesundes, reif geborenes Kind die ausschließliche Ernährung mit Muttermilch bzw. Pre-Nahrung im ersten halben Lebensjahr vollkommen ausreichend. Vorher Beikost einzuführen bringt keine Vorteile für die Versorgung. Im Gegenteil bekommen Babys, die früher zugefüttert werden, und somit auch eher mit einer neuen Keimwelt in Kontakt kommen, auch bei uns häufiger Infekte.

Durch frühes Zufüttern verkürzt sich im Schnitt auch die Gesamtstillzeit, während auch bei uns noch Kleinkinder gesundheitlich von Muttermilch profitieren (sowie auch die Mütter von einer längeren Stilldauer).

Bildquelle:

Das Titelbild kommt von pixabay.com.

Das Bild im Artikel kommt von unsplash.com.

Freunden von diesem Artikel erzählen
Kommentare
Kommentare konnten nicht geladen werden.

noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar verfassen

Hinweis: Die mit einem * gekennzeichnete Eingabefelder sind Pflichtfelder.

{{ response.text }}

Wir verwenden Cookies. Was Cookies sind und warum wir diese nutzen müssen erfährst du hier.