Familienbegleitung
Natalie Clauss

Rund um Beikost [Teil 2]: Die Beikostreifezeichen erkennen

erschienen am 

Nachdem Fransziska im ersten Teil zur Beikost über den richtigen Zeitpunkt zum Beginn geschrieben hatte, geht es nun in diesem Artikel darum, woran ich denn erkenne, dass mein Baby bereit ist für andere Nahrung neben der Milch. Dies wird kurz Beikostreifezeichen genannt. (Natalie)

Was sind die Beikostreifezeichen und was hat es damit auf sich?

Ein Baby zeigt die Zunge.

Die Unicef hat dafür ziemlich gut erkennbare äußere Reifezeichen beschrieben: Der Zungenstoßreflex ist verschwunden, das Kind kann mit leichter Unterstützung im unteren Rücken für die Dauer einer Mahlzeit aufrecht sitzen und es kann sich selbstständig Essen mit der Hand zum Mund führen. Man geht davon aus, dass diese äußere Reife auch mit der ausreichenden Entwicklung des Verdauungstraktes einher geht, nun feste Nahrung zu verarbeiten und eine verfrühte Einführung von Beikost kurzfristig Verdauungsbeschwerden und langfristige Unverträglichkeiten begünstigen kann.

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Zudem stellen diese Fähigkeiten auch Schutzmechanismen dar. Der Zungenstoßreflex soll ja gerade verhindern, dass ein Baby irgendetwas in den Mund nimmt oder gar schluckt, mit dem es noch nicht umgehen kann. Wer sich schon einmal im Halbliegen beim Essen oder Trinken verschluckt hat, weiß, wie wichtig eine aufrechte Sitzhaltung zum selbstständigen Abhusten ist. Auch die eigene Fähigkeit, sich Dinge in den Mund zu stecken, ermöglicht eben auch Kontrolle darüber was, wie viel und wie schnell etwas darin landet.

Nach diesen sichtbaren Merkmalen der Essfähigeit zu gehen, scheint mir sehr sinnvoll. Kalender sind ja eher eine neuere Erfindung und man kann wohl davon ausgehen, dass die Natur es nicht ganz umsonst so eingerichtet hat, wenn uns das Baby auf unserem Schoß die Stulle aus der Hand mopst, abbeißt und das dann frecherweise auch noch herunter schluckt.

Hier gilt es sicher die Empfehlung für Max Musterkind gegen die Bedürfnisse des eigenen abzuwägen. Anders herum eben auch, wenn nun die magische 6-Monatsgrenze überschritten ist, das Kind aber noch nicht so stabil sitzt oder ganz einfach noch kein Interesse am Essen hat. Denn erwiesener Maßen folgt der Zeitpunkt der Beikostreife der gesamten Babyschaft einer Normalverteilung. Heißt, die meisten sind zwar tatsächlich mit etwa 6 Monaten erst wirklich reif für Beikost und für einen Großteil beginnen zu diesem Zeitpunkt auch die Speicher gewisser Nährstoffe zur Neige zu gehen und benötigen Ergänzung zusätzlich zur Muttermilch (dies allerdings auch langsam und nicht auf einem Schlag). Auf einige trifft das allerdings auch schon etwas früher, auf andere erst später zu.

Die Anzeichen, die Omas Überlieferung nach ganz klar zeigen, dass das Kind doch nun „etwas Richtiges“ braucht, sollte man eher nicht für seine Einschätzung nutzen. Es guckt einem das Essen in den Mund und macht Kaubewegungen. Das trifft so ziemlich auf jedes Baby um den 3.-4. Monat zu. Die Kleinen sind jetzt in der Lage uns, ihre großen Vorbilder, richtig genau zu beobachten und nachzuahmen.

Die meisten Babys in diesem Alter werden allerdings Essen, das man ihnen in den Mund steckt auch schnell wieder heraus befördern und würden sich auch mit einem hübsch glänzenden Löffel zum Lutschen zufrieden geben. Wenn man im Halbliegen extra flüssigen Brei mit dem Löffel über den Zungenstoßreflex schiebt, kann man dieses Problem zwar umgehen, empfehlenswert ist das allerdings nicht. Auch dass ein Kind in diesem Alter häufiger Brust/Flasche oder insgesamt mehr Milch fordert, ist kein Anzeichen dafür, dass es nun allein durch diese nicht mehr satt wird und zusätzlich feste Kost braucht. Den Mehrbedarf während solcher Entwicklungsschübe kann es weiterhin mit seiner gewohnten Nahrung decken.

Wenn das Kind altersgemäß entwickelt und gesund ist, sollte man also ganz entspannt bleiben. Besteht auch noch mit 9./10. Monaten kein wirkliches Interesse an fester Nahrung, obwohl das Kind ausreichend Zugang dazu hat, ist es sinnvoll, den Eisen- und ggf. auch Zinkstatus bestimmen zu lassen (bitte nicht nur Hb-Wert). Geringe Speicher können zur Appetitlosigkeit führen und würden dann mit Supplementen und nicht mit Beikost behandelt.

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Ein anderer Grund kann auch eine Einschränkung im Mundraum sein (etwa ein verkürztes Zungenband), die vlt. auch schon vorher zu Schwierigkeiten beim Stillen oder trinken aus der Flasche geführt hat. Ist keins davon der Fall, gibt es auch (selten) Kinder, die vollkommen gesund sind, aber auch bis zum 1. Geburtstag einfach noch kein Interesse haben und dabei trotzdem ausreichend über die Milch versorgt sind.

Bildquelle:

Das Titelbild kommt von unsplash.com.

Das Bild im Artikel kommt von unsplash.com.

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