Familienbegleitung
Natalie Clauss

Die Angst hat mich im Griff?

erschienen am

Vor knapp 18 Monaten hatte ich einen Unfall. Ich bin beim Bouldern gestürzt und habe mir das Sprunggelenk gebrochen und Sehnen gerissen. Ach so, für alle, die Bouldern nicht kennen: Das ist in etwa wie Klettern nur ohne Sichern dafür eben deutlich niedriger (4,5m etwa je nach Wand) und mit weichen, dicken Matten. Es ist total selten, dass dabei Unfälle passieren. Ich hatte einfach Pech. Ich habe das Fallen und Springen geübt und habe es schon oft gemacht. Aber wie das so ist… irgendwer ist eben doch dieser eine Prozent der Unfallwahrscheinlich (ich habe mir dazu keine Statisken angeschaut, deshalb ist die Zahl nur beispielhaft).

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Ich habe sogar Höhenangst, aber das Bouldern hat mir immer Spaß gemacht. Ich konnte über mich hinaus wachsen, es war eine Herausforderung. Ich kannte mich und meinen Körper, so dachte ich auch Risiken einschätzen zu können. Mein Ehrgeiz hat mir wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da war diese eine Route, ich habe sie so oft versucht und mein Mann hat sie mir gezeigt. Ich kam bis zum vorletzten Griff, doch dann wusste ich nicht weiter. Ich hatte Angst. Doch irgendwann beschloss ich es einfach zu versuchen.

Ich war gerade alleine im Übungsraum, wo diese Route war und so versuchte ich es erneut in aller Ruhe. Ich ließ mir Zeit. Ich merkte aber auch, wie meine Kraft weniger wurde also jetzt oder nie. Ich hatte ihn, ich hatte den letzten Griff gefasst, doch dann rutschte ich ab. Ich weiß nicht mehr wie, es ging alles ziemlich schnell. Auf einmal war ich mit dem Rücken zur Wand, ich musste mich in der Luft gedreht haben und kam unten mit einem Fuß auf, knickte direkt um. Ich hatte sofort Schmerzen, aber dachte mir erst mal nichts dabei, das hatte ich schon oft gehabt.

Nur wurde der Fuß leider sehr schnell dick und die Schmerzen wurden eher schlimmer statt weniger. Es kam jemand in den Raum, der meinen Mann holte. Ich dachte erst, es würde gehen, aber irgendwann riefen wir einen Rettungswagen, weil es eher schlimmer wurde. Im Krankenhaus nach dem Röntgen dann die Nachricht der Sprunggelenksfraktur und mindestens eines Bänderrisses. Ich sollte operiert werden, um den Bruch zu richten und zu fixieren. Dann wird gesehen, was noch kaputt gegangen ist.

Es folgten Wochen auf Unterarmgehstützen mit nur minimaler Belastung. Nachdem eine Schraube entfernt wurde, durfte ich langsam wieder belasten. Wieder laufen lernen. Es war eine Qual. Alles tat weh und ich war ungeduldig. Nach ein paar Wochen ging ich wieder mit in die Kletterhalle. Ich boulderte die einfachsten Routen bis zur Hälfte und merkte dabei die Anstrengung, aber es ging.

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Dann wurde ich schwanger und machte wieder eine Pause. Bouldern und schwanger sein ist für mich eine Kombination, die nicht geht. In der Schwangerschaft waren meine Gedanken zum Bouldern und Klettern ganz gemischt. Während ich anfangs noch plante selbst in der Schwangerschaft einen Kletterkurs zu machen, also das Sichern und Gesichertwerden zu lernen (dafür gibt es spezielle Schwangerschaftsgurte), merkte ich, dass ich immer ängstlicher wurde.

Nun ist die Geburt bald sechs Monate her und ich war in der Zwischenzeit zwei mal bouldern. Ich habe Angst und gleichzeitig will ich unbedingt meine Angst überwinden. Die einen sagen "Du musst dich nur trauen, dann geht es wieder. So schnell wie möglich." Nun, so schnell wie möglich war damals nicht wirklich möglich und jetzt ist sie wie ein riesiger Schatten. Andere sagen: "Du musst das doch auch gar nicht, es ist ohnehin viel zu gefährlich." Nein, eigentlich ist es nicht gefährlich und ich möchte mich auch nicht von dieser Angst regieren lassen.

Ich merke schon, dass ich ängstlich bin, wenn mein Mann oder mein Sohn bouldern. Ich möchte meine Angst nicht auf sie übertragen. Es ist schwierig. Letzte Woche bin ich wenig gebouldert. V.a. nicht hoch. Ich ging nur auf eine Höhe von etwa zwei Metern, alles andere ging nicht. Ich merkte, wie ich dabei blockierte. Ich entdeckte ein paar Routen in meiner ursprünglichen Schwierigkeitsstufe, die aber nicht nach oben sondern eher zur Seite gingen. Ich versuchte mich daran. Es ging deutlich besser.

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Hat die Angst vielleicht einen Sinn? Ja, sicher. Aber ist sie noch realistisch? Ich weiß, dass ich nochmal wieder Physiotherapie und auch Sprungtraining für mehr Knochenstabilität machen muss. Und doch würde ich meine Angst einfach gerne überwinden.

Hattest du vielleicht auch schonmal einen Unfall und danach Angst? Wie hast du diese Angst überwunden bzw. wie bist du damit umgegangen? Ich freue mich über eine Antwort in den Kommentaren!

Bildquelle:

Das Titelbild kommt von pixabay.com.

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