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Familienbegleitung
Natalie Clauss

[Corona] Hey Trigger...

erschienen am 

Diesen Text habe ich schon vor einigen Monaten geschrieben. Doch dann ist mein Laptop abgestürzt und alle Bilder, die ich rausgesucht hatte, waren weg. Und danach ist er irgendwie untergegangen. Es war so viel los. Jetzt ist es er nicht mehr aktuell, aber ich möchte meine Gedanken und Gefühle jetzt doch noch mit dir teilen.

Momentan liest man wohl kein anderes Thema mehr. Nichts wird so sehr gepuscht von allen Seiten wie dieses: Corona.

Doch, warum? Warum wird nur noch darüber geschrieben? Warum wollen alle nur noch davon lesen? Und warum gibt es so verdammt viele widersprüchliche Informationen?

Ich wüsste kein Thema, dass so sehr angstbesetzt ist, wie dieses. Und wenn nicht mit Angst besetzt, dann doch mit Unsicherheit oder bei manchen vielleicht auch Überheblichkeit.

Aber woher kommt diese kollektive Angst? Diese Angst, die eine ganze Gesellschaft, ja eine ganze Welt beinahe verrückt macht? Wovor haben wir Angst? Haben wir alle vor den gleichen Dingen, den gleichen Situationen Angst?

Ich möchte ein bisschen über mich schreiben. Über meine Gedanken.

Hand aufs Herz: Wie gefährlich ist Corona? Bedroht uns eine Infektion? So ganz genau wissen wir das nicht, wie es nun genau ist. Außerdem sind unglaublich viele Fake News im Umlauf. Doch wahrscheinlich bedroht Corona bei den meisten Menschen nicht das Leben und doch müssen momentan Maßnahmen ergriffen werden zum Schutze von Risikogruppen, bei denen eine Gefahr eben doch bestehen kann. Und damit unser Gesundheitssystem nicht zusammenbricht.

Weltkarte mit roten Punkten, welche die Zahl der Corona-Infizierten zeigt.

Ist es das, was uns Angst macht? Dass wir nicht alles wissen? Dass wir Einschränkungen brauchen, um uns, um andere und letztlich unser System und unsere ganze Gesellschaft zu schützen?

Ist es also die Unberechenbarkeit dieser aktuellen Situation? Dass wir eben nicht die vollständige Kontrolle haben?

Gleichzeitig bekomme ich viel mit von finanziellen Sorgen und sogar Existenzängsten. Die Angst, Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können, die Miete, das Essen, Kleidung, … Manche sprechen sogar von einem Zusammenbruch der Wirtschaft, der folgen wird.

Detailaufnahme von Händen, die Geldscheine zählen.

Andererseits sehe ich leer gekaufte Supermärkte. Klopapier, Nudeln, Mehl und Hefe sind Mangelware. Menschen haben ganze Einkaufswägen voll davon. Ich möchte hier niemandem etwas unterstellen. Ich weiß ja nicht, wer hier für wen noch miteinkauft oder welche Hintergründe es gibt. Doch das Bunkern von Massen an solchen Produkten erscheint mir ziemlich abstrus. Und egoistisch anderen gegenüber.

Aufnahme einer Hand mit Klopapierrollen.

Genauso verhält es sich mit medizinischen Produkten und Hilfsmittel. Atemschutzmasken, Einweghandschuhe, Desinfektionsmittel. All das ist kaum noch zu bekommen. Für uns sollte das kein Problem sein, doch für Krankenhäuser, Praxen und Seniorenheime, um nur ein paar Beispiele zu nennen, ist es das. Doch wie viele Privatpersonen haben solche Sachen zu Hause, die jetzt so dringend an anderer Stelle gebraucht wären.

Aufnahme von Einweggesichtsmasken

Es sind so viele Ängste da. So viele diffuse Ängste. So viele klare Ängste. Und so unterschiedliche Ängste. Diese Krise scheint in fast jedem von uns in irgendeiner Form Angst auszulösen (um ehrlich zu sein, kenne ich niemanden, der nicht einen Moment unsicher oder ängstlich war). Doch, ich frage noch einmal, warum?

Tja, diese Frage lässt sich wohl nicht objektiv beantworten und so beschreibe ich hier nur meine Meinung. Meine Gedanken.

Ich denke, dass diese ganze Corona-Sache in uns allen Angst auslöst. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Bei dem einen in der einen Form, bei dem anderen in einer anderen Form. Es gibt finanzielle Ängste, Ängste zu erkranken oder gar zu sterben, Ängste vor Versorgungsengpässen oder gar einer geheimen Verschwörung.

Lässt sich sagen, wer welche Ängste hat und warum?

Ich denke, dass dies in einer gewissen Form möglich ist, wenn wir die Menschen wirklich gut kennen. Wenn wir wissen, wie sie aufgewachsen sind. Wenn wir frühkindliche Erfahrungen berücksichtigen. Wenn wir Einstellungen und Werte betrachten und die familiäre Situation jetzt und in der Vergangenheit.

Ich glaube, dass die aktuelle Situation unglaublich viel in uns triggert. Sie löst ganz viel aus, von dem wir alles bewusst reflektieren und benennen können.

Es werden Urängste ausgelöst, die einfach unterschiedlich sind. Ich finde es gleichzeitig wichtig, dass wir uns bewusst machen, inwiefern diese Ängste real und realistisch sind. Ist es realistisch, dass wir verhungern müssen? Ist es realistisch, dass morgen unser gesamtes Wirtschaftssystem zusammenbricht?

Detailaufnahme einer Frau auf dunklem Hintergrund

Und dann könnten wir überlegen, warum wir genau diese Angst haben? Woher kommt diese Angst? Wann hatten wir zum ersten Mal dieses Gefühl? Genau diese Angst? Und was will mir meine Angst sagen? Welche positiven Seiten hat sie vielleicht auch? Wobei hilft sie mir? Worin beschränkt sie mich? Was würde ich fühlen, wenn ich gerade keine Angst fühlen würde, sondern Zuversicht? Wenn Zuversicht, aus dieser besonderen, aus dieser schwierigen Situation mit viel Kraft und neuen Erfahrungen und Mut hervorgehen würde?

Was würde sich verändern, wenn wir die Situation mehr annehmen könnten statt die negativen Seiten zu sehen?

Das alles ist so leicht daher gesagt. Ich weiß. Ich kämpfe auch mit der Angst. Immer wieder. Doch wir sollten sie nicht gewinnen lassen. Lasst uns doch mehr zusammenhalten statt uns ständig gegenseitig unsere Fehler vorzuhalten.

Diese Krise ruft in uns unsere schlimmsten und unsere besten Seiten hervor.

Nein, ich bin wirklich oft einfach nur genervt. Dass wir uns nicht mit anderen treffen können. Dass wir uns hier alle auf der Pelle hocken. Dass ich nicht so arbeiten kann, wie ich es gerne würde. Dass wir uns öfter streiten. Dass ich viel alleine bin mit den Kindern. Ich könnte diese Liste noch länger weiterführen.

Nein, ich bin auch nicht perfekt. Bei weitem nicht. Auch ich habe schon rumgeschrien. Auch ich war überfordert. Ängstlich. Wütend. Ich denke, das ist normal. Das ist das, was diese Ungewissheit, diese Angst mit uns macht. Sie löst in uns Stress aus. Genauso wie in unseren Kindern, die uns oft einfach nur spiegeln.

Es geht hier gar nicht um Perfektion. Es geht nicht um gut oder schlecht. Es geht um Beziehungen. Es geht um Verbindungen. Und irgendwo auch um Reflexion. Um sich bewusst machen, was da gerade ist, was da wirkt.

Aufnahme einer leeren Klopapierrolle mit der Aufschrift Don't panic

Dabei hilft reden. Dabei hilft es gemeinsam zu sein. Wenn auch nicht im persönlichen Kontakt. Doch in Verbindung miteinander. Über Video. Über andere Kanäle als direkte Umarmungen. Es ist unglaublich schwer oft. Und ich bin mir sicher, dass dort eine Narbe bleiben wird. In mir. In dir. Vielleicht in allen. Doch ich bin mir auch sicher, dass wir das irgendwie überstehen werden, auch wenn noch so vieles ungewiss und unsicher ist.

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