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Familienbegleitung
Natalie Clauss

Tandemstillen - meine Erfahrungen [Gastartikel]

erschienen am 

Zwei Kinder stillen, viele Frauen können sich das nicht vorstellen. Mamas von Zwillingen wachsen da oft hinein, sie müssen sich damit auseinandersetzen. Doch auch sie stillen nicht immer beide Kinder. Doch das Stillen von Geschwisterkindern wird selten beschrieben. Wenig gesehen. Umso mehr freue ich mich, einen Erfahrungsbericht zum Tademstillen als Gastartikel in meinem Blog zu veröffentlichen. Liebe Carina, vielen Dank für deinen Bericht!

Mein Name ist Carina, ich bin 28 Jahre alt und die Natürlichkeit spielt in meinem Leben eine große Rolle.

Beruflich habe ich mich nie erfüllt gesehen. Seitdem ich Kinder habe, weiß ich, wofür mein Herz brennt. Jetzt möchte ich Stillberatung und "Kommunikationspflege" machen, um Frauen und Familien zu helfen, sich selbst zu ermächtigen und mit ihren Kindern zu wachsen.

Wie kam es bei uns zum Tandemstillen?

Als mein erster Sohn 15 Monate alt war, wurde ich erneut schwanger. Er stillte noch ungefähr 2x täglich, am Morgen und zum Mittagsschlaf… Ich habe mich aufs Tandemstillen eingestellt und sogar schon sehr drauf gefreut.

Als ich in der 16. Schwangerschaftswoche war, bekam ich Blutungen. Im Krankenhaus wurde mir geraten, abzustillen bzw. es sehr einzuschränken. Da ich 2 Tage im Krankenhaus lag und er mich auch nur 1-2x täglich besuchte, ging es auch ohne Probleme.

Ich stillte ihn dann, als ich zuhause war nur noch 1x täglich, auch weil ich merkte, dass ich mich etwas schonen wollte.

Ich machte mir trotzdem keine Gedanken ums abstillen, denn das wollte ich ihm jetzt nicht nehmen, wenn sich eh alles verändert. Außerdem freute ich mich auf zwei Stillkinder, hatte ich doch so tolle Geschichten gelesen, wie die Geschwister sich nahe kommen und so auch eine tiefe Verbindung entstehen kann.

Denn beim Stillen wird Oxytocin freigesetzt. Nicht nur bei der Mutter, auch bei den Kindern. Es ist das Bindungshormon schlechthin und die Synapsen im Gehirn der Kinder, werden diese Verbindung ihr Leben lang aufrecht erhalten können.

Ungefähr eine Woche später, blieb wohl anscheinend meine Milch aus…

L. fing grade an zu sprechen und gab mir zu verstehen, dass nichts mehr rauskommt…

schlafendes Kleinkind auf schwangerem Mamabauch

Er wollte dann auch nicht meht stillen. Das war natürlich auch kein Problem für mich und für ihn. Mein Körper hat es schon aus einem bestimmten Grund so gemacht und L. kannte die Flasche schon, weil wir ihn damit abends ins Bett brachten. Also nahm er ohne zu zögern die Flasche mit Pre anstatt meiner Brust.

Nachdem unser 2. Sohn M. geboren ist, blieb es so. L. probierte zwar ab und zu mal, an meiner Brust zu trinken, doch er sagte "Nee!" und lachte scherzhaft. Ok, die Milch wird anders schmecken, als zu seiner Zeit und vielleicht kann er ja auch ganicht mehr an der Brust saugen, hatte er es verlernt?

Nein, hatte er nicht! Als M. ca 3 Monate alt war, fing L. eines Nachts, plötzlich wieder an zu stillen. Nachts im Urlaub.

stillendes Kleinkind

In dem Moment realisierte ich es kaum. Ich nahm es wahr, doch war etwas verwirrt und dachte, vielleicht war es jetzt nur im Halbschlaf, eine alte Gewohnheit, an die er sich zurück erinnerte.

Doch dem war nicht so, er stillte am nächsten Tag wieder…

Ich war so glücklich, jetzt erfahre ich doch noch, wie es ist 2 Kinder gleichzeitig zu stillen.

Ich freute mich auf den Moment, wenn es soweit ist, dass ich wirklich beide zeitgleich stille. Und er kam, noch am selben Tag. Ich war so stolz, glücklich und ja, ich machte mir keine Gedanken darüber, dass es noch anstrengend werden würde.

Tandemstillen Baby und Kleinkind

Eigene Grenzen herausfinden und für meine Bedürfnisse einstehen

Anfangs war es ein super Glücksschub und in diese Zeit, werde ich mein Leben lang gerne zurück fühlen.

Es gab jedoch auch eine sehr anstrengende Zeit für mich, denn L. hatte es wieder sehr genossen, meine Milch zu trinken.

Da er Nachts das erste mal wieder stillte, wollte ich es ihm auch nicht nehmen. Wir waren noch 2 Wochen lang im Urlaub, so lang stillte ich auch nachts tandem, ich war ja ausgelassen und erholt an meinem Lieblingsort.

Zuhause zurück war mir sofort klar, nachts bekommt er jetzt nur noch Wasser.

Ob er es akzeptiert? Nicht direkt. Ein paar Tage Umgewöhnung waren hart. Ich war nachts oft sehr müde und gestresst, weil L. meine Burust wollte, kein Wasser.

Irgendwann haben wir einen Kompromiss mit Hafermilch gefunden. Ich bekam meine nächtlichen Ruhepausen und L. konnte seine Ersatzmilch trinken. Mittlerweile war er 2 Jahre und 3 Monate alt und ich konnte ihm gut erklären, dass ich nachts mehr Erholung brauchte.

Tagsüber wurde es eine Zeit lang auch sehr anstrengend. Es ist ca. ein halbes Jahr her, als ich dann meine Grenzen ziehen wollte. Ich konnte das Stillen mit L. nicht mehr genießen.

Es war eine Last, dass er täglich ungefähr 10 mal nach meiner Brust fragte und manchmal richtig in Rage geriet, weil ich es ihm verwehrt habe. Wie oft habe ich nachgegeben, wegen eigener Unsicherheit.

Ich wusste in dem Moment nicht, was ich tun wollte: "Wenn ich ihn jetzt stille, ist es kraftsparender, weil ich keine Energie aufbringen brauchte, L. zu beruhigen. Doch wenn ich jetzt nicht durchhalte, dreh ich noch durch, weil ich das Genuckel an der Brust, so oft, nicht aushalten kann. M. braucht es auf jeden Fall noch und ich möchte für ihn genug Kraft haben."

Ich habe für die Erfüllung meines Bedürfnisses, großen Willen bewiesen und verstand irgendwann, dass ich mir nur sicher genug sein brauche und ich L. in seiner Trauer begleiten werde, egal wie, nur ohne zu stillen. Ich dachte sogar darüber nach, ihn komplett abzustillen, weil ich glaubte, dass es sonst nicht klappt.

Als ich aber meine klare Linie gezogen habe, und ich mir selbst sicher war, was ich genau in dem Moment will und was nicht, ob stillen oder nicht, wurde es einfacher. Er fragte zwar noch oft, ich antwortete ihm, wenn ich nicht wollte, dass ich verstehe, dass er stillen möchte und er es gerne morgen wieder machen darf. Ich jetzt zu müde bin und er gerne kuscheln kann, wenn er Nähe braucht.

Unser Modell im Alltag

Jetzt ist es so, dass L. mit 2 3/4 Jahren, sehr unregelmäßig stillt. Manchmal 3 mal am Tag und mal 3 Tage nicht. Je nach Laune, Tagesaktivität und Zeit. Ich kann es wieder genießen.

M. wird nach Bedarf gestillt. Auch zur Beruhigung und zum Nähe tanken, mit knapp 11 Monaten ersetzt er teilweise schon ganze Mahlzeiten, mit dem, was auch wir essen.

M. stillt ziemlich oft und wenn L. dann auch gerne möchte und ich die Kraft und Entspannung dafür habe, stillt er mit. Ansonsten braucht er es nur noch, wenn er sich weh getan hat oder sich sehr unwohl fühlt oder krank ist.

Die Momente zu dritt

Wundervoll. Liebevoll. Stark.

Es waren und sind immer noch tolle Momente.

Wenn der große Bruder den Kleinen streichelt und der Kleine den Nippel aus dem Mund verliert vor Grinsen.

Wenn der Kleine dem Großen in die Augen piekst und der große lacht und zurückpiekst.

Oder wenn sie sich einfach nur die Hand halten.

Mein Herz geht auf, wärend ich die Zeilen schreibe, weil ich so gerürt von diesen Augenblicken bin.

Ich würde euch gerne noch viel mehr darüber erzählen, weil ich mir auch wünsche, dass es nicht verurteilt wird und es mehr Menschen als natürlich ansehen.

Weitere Informationen zu Carina und ihrer Arbeit (zusammen mit Kolleginnen) findest du auf ihrer Website mamalikka.de, sowie ihrer Instagram- und Facebookseite.

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