Familienbegleitung
Natalie Clauss

[Interview] 9 Fragen an Geburtsfotografin Jana Wiescholek

erschienen am

Jana Wiescholek ist Geburtsfotografin. Das fand (und finde) ich sehr spannend und so habe ich sie gefragt, ob ich ihr ein paar Fragen zu ihrer Arbeit stellen dürfte. Glücklicherweise hat sie zugestimmt. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

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Jana, vielleicht kannst du zu Beginn etwas über dich erzählen? Wo lebst du? Hast du Kinder? Was macht dich aus?

Ich bin seit vielen Jahren in Bremen zu Hause, wo ich mit meinem Mann und meinen zwei Kindern lebe. Seit über 8 Jahren bin ich selbstständig im Bereich Grafik-, Webdesign und Fotografie, seit 4 Jahren in einer Büro Gemeinschaft in Peterswerder.

Meine Kinder sind 7 und 2 Jahre alt.

Du bist Geburtsfotografin. Wie bist du dazu gekommen? Ich finde das ja total spannend und hätte gerne solche Fotos gehabt.

Ja, mir ging es genauso. Nach der Geburt meines zweiten Kindes, bin ich durch Zufall im Netz auf einen Blog Eintrag mit Geburtsfotos gestoßen und war sofort magisch davon angezogen. Immer wieder habe ich mir die Bilder angesehen und dann auch explizit nach solchen Bildern gesucht. Was mich begeistert hat, war die Rohheit und Authenzität, die diese Bilder ausstrahlen und dass sie eben Dinge abbilden, die man in der Form eigentlich selten zu sehen bekommt.

Wir alle kennen diese romantischen Bilder von Babys, hübsch mit Mützchen auf einem Lammfell drapiert (die natürlich auch ihre Daseinsberechtigung haben). Und ebenso kennen wir das „eine große Bild der Geburt“, wie es uns seit Jahrzehnten in den Medien vermittelt wird: Frau liegt im Krankenhaus-Nachhemd schreiend mit gespreizten Beinen auf dem Rücken …

Die Geburtsfotografie möchte weder das eine, noch das andere zeigen. Vielmehr geht es darum zu zeigen, wie es wirklich war. Wie war die Stimmung im Geburtsraum? Wer war dabei? Auf welchem Wege kam das Kind ans Licht? Wie sah das Baby aus in seinen allerersten Lebensstunden? Die Reaktionen der Eltern, wenn sie ihr Kind zum ersten mal sehen und berühren …

Alles das sind Fragen, auf die Geburtsfotos eine detaillierte und langlebige Antwort liefern können.

Wie läuft deine Arbeit ab? Lernst du die Familien vorher in Ruhe kennen?

Ja, in der Regel treffen wir uns vorher bei der Familie zu Hause zu einem unverbindlichen Kennenlerngespräch. Dabei können alle Fragen ausgiebig geklärt werden und die (werdenden) Eltern können sich ein besseres Bild von mir als Person machen. Bei Geburten, die weiter außerhalb von Bremen stattfinden, mache ich das auch schon mal über Skype.

Es ist nicht selbstverständlich, dass man sich als Menschen in jeder Kombination sympathisch ist. Deshalb ist es gut und wichtig, dass man auch diesen Punkt für sich klärt. Und schließlich hat man dann nicht mehr das Gefühl, eine fremde Person in einem so intimen Moment dabei zu haben.

Umgekehrt hilft es mir, die Wünsche meiner Familien wahrzunehmen und später umzusetzen. Wenn eine Hausgeburt geplant ist, kann ich mir in dem Zuge außerdem ein Bild vom Geburtsort machen und schon mal überlegen, wo ich mich dann aufhalte, wo es mögliche Lichtquellen gibt. Aber eben auch so banale Dinge, wie der Weg zur Kaffeemaschine und zur Toilette. Unter der Geburt kann jede Frage eine zu viel sein. Deshalb kläre ich so etwas lieber im Vorfeld.

Muss ich mich schon frühzeitig bei dir melden, wenn ich Fotos bei der Geburt möchte, oder ist das auch relativ kurzfristig möglich?

Das ist ganz individuell unterschiedlich. Es gibt Zeiten, wo es sehr kurzfristig möglich ist, weil der Termin Kalender noch Kapazitäten bietet. Es kamen aber auch schon mehrere Anfragen für ein und denselben Zeitraum, wo ich dann nicht jede Anfrage annehmen konnte.

Ich könnte mir vorstellen, dass es auch etwas komisch wäre, würde jemand "Fremdes" bei einer so intimen und emotionalen Situation wie der Geburt Fotos machen. Wie sind deine Erfahrungen?

Naja, wie bereits gesagt, bin ich für die Familien ja zum Zeitpunkt der Geburt nicht mehr gänzlich fremd. Und ja, ein gewisses Maß an Sympathie und Vertrauen sollte schon vorhanden sein.

Eine Mutter stillt ihr Neugeborenes direkt nach der Geburt.

Andererseits treffen die Eltern beispielsweise bei Geburten im Krankenhaus auch auf fremde Personen. Niemand wird im Vorfeld sagen können, welche Hebammen und Ärzte am Tag der Geburt im Kreißsaal Dienst haben. Und diese Menschen sind dann auch fremd und viel näher, viel intimer am Geschehen, als ich mit meiner Kamera.

Ich spreche im Vorfeld mit meinen Familien auch immer darüber, dass es jederzeit die Möglichkeit gibt, mich vor die Tür zu schicken, wenn sich die Gebärende dann noch gestört fühlen sollte.

Geschwisterkontakt, das Neugeborene mit Nabelschnur.

Diese Situation ist allerdings noch nie eingetreten und erfahrungsgemäß nehmen mich die Frauen nicht einmal mehr wahr, wenn sie in ihren Geburtsrhythmus versunken sind.

Begleitest du alle "Arten" von Geburten, also Hausgeburten/ Geburtshausgeburten/ Krankenhaus? Gab es schonmal negative Reaktionen von Hebammen oder Ärzten?

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Ja, theoretisch sind alle Geburtsorte möglich. Auch ein Kaiserschnitt.

Bei einer Geburt im Krankenhaus, bitte ich die Familie, das Personal im Vorfeld darüber zu informieren, dass sie eine Fotografin zur Geburt mitbringen.

Bislang hat es da noch keinerlei Ablehnung gegeben. Im Gegenteil - die Klinik ist eher stolz auf diese Bilder und man wird auch schon mal gefragt, ob man das eine oder andere Foto erwerben dürfe.

Bist du über die gesamte Dauer der Geburt dabei?

Ich komme in der Regel ab der späten Eröffnungsphase hinzu. Gerade diese Phase kann sehr unterschiedlich lang ausfallen und es wäre keinem geholfen, wenn ich stundenlang festhalte, wie die Gebärende ihre Wehen veratmet.

Möchtest du sonst noch etwas erzähllen - zu dir oder deiner Arbeit?

Ich möchte sagen, dass mir diese Arbeit sehr viel bedeutet und ich immer wieder überrascht und überwältigt bin, was für wundervolle Menschen man dabei kennenlernen darf. Es ist ein schönes Gefühl, wenn dir wildfremde Menschen ihre Tür öffnen und dich einladen, sie in den vielleicht intimsten und ergreifendsten Momenten ihres Lebens zu begleiten.

Ich möchte an dieser Stelle meinen bisherigen Familien (und ich nenne sie bewusst nicht „Kunden“) danken für ihr Vertrauen.

Liebe Jana, ich danke dir für das Interview. Es war sehr interessant mehr über dich und die Geburtsfotografie zu erfahren!

Weitere Informationen zu Jana und ihrer Arbeit findest du auf www.geburtsfotografie-bremen.de.

Bildquelle:

Das Titelbild kommt von unsplash.com.

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