Familienbegleitung
Natalie Clauss

Marta Sellmann von Stulpen-Tragen [Interview]

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Ich durfte Marta während meiner Ausbildung zur Stillbegleiterin im letzten Jahr persönlich kennen lernen. Da sie ebenfalls Trageberaterin ist, hatte ich bereits mehrere Sachen von ihr auf Facebook gelesen. Seit Kurzem hat sie außerdem einen eigenen Onlineshop für verschiedene Trageartikel. In diesem Interview erzählt sie über sich, wie sie zum Tragen kam und wie es zur Gründung eines eigenen Shops kam.

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Hallo Marta, zu Beginn unseres Gesprächs kannst du am besten ein bisschen über dich erzählen. Wer bist du? Wo lebst du? Was macht dich aus?

Hallo Natalie, zu erst einmal vielen Dank für das Interview. Ich freue mich sehr darüber. Ich bin 36 Jahre alt und lebe mit meinem Mann und unserem 5 Jährigen Sohn Noah im Raum Hannover. Seit 2 Jahren arbeite ich nun selbständig als Trageberaterin und seit letztem Jahr als Stillbegleiterin. Ich habe damit meine Leidenschaft gefunden und bin jeden Tag dankbar diesen Beruf auszuüben. Ich liebe die Arbeit direkt mit Menschen zusammen. Ich bin sehr offen und gehe gerne auf Menschen zu. Ich liebe den Austausch und die wundervollen Gespräche. Und zu guter letzt liebe ich Kinder. Ich wollte schon immer viele Kinder haben. Dieses Glück wurde uns nicht beschert. Daher freue ich mich umso mehr in meinem Beruf so viel Kontakt zu Babys und Kindern zu haben.

Du bist u.a. zertifizierte Trageberaterin. Doch, wie bist du überhaupt zum Tragen gekommen. Wusstest du schon in der Schwangerschaft, dass du dein Baby tragen möchtest?

Vor meinem Sohn war ich ziemlich konservativ was das ganze betraf. In der Schwangerschaft habe ich noch geglaubt, mein Baby braucht ein eigenes Zimmer und Bett und habe an das Tragen gar nicht gedacht. Als unser Noah da war, hat er alles auf den Kopf gestellt. Er ist ein sehr gefühlsstarkes Kind, von Anfang an. Er hat die ersten Monate komplett an mir und auf mir verbracht. Schnell kam dann ein Tragetuch ins Haus, ein Didymos. Als er mit ca 7 Monaten auf den Rücken sollte und wollte, buchte ich eine Trageberatung und entschied mich für eine emeibaby. Ich liebe diese Trage und das Tuch bis heute, denn sie haben uns wirklich das Leben gerettet. Erst als mein Sohn 3 war und wir schon länger aus dem Tragen raus waren, entschied ich mich für einen neuen Berufsweg und machte die Ausbildung bei der Trageschule Hamburg.

Bist du Vorurteilen dem Tragen gegenüber begegnet?

Ja definitiv.

Immer wieder wurde ich gefragt, ob er Luft bekommt oder dass er nicht so verwöhnt und an mich gebunden werden sollte. Zum Glück habe ich einen wundervollen Mann, der mich von Anfang an unterstützt hat und wie ich glaubt, Kinder brauchen andere Zuwendung, als die, welche wir als Kinder erlebt haben.

Worin siehst du die größten Vorteile des Tragens für dich persönlich?

Die unglaublich intimen Momente voller Liebe mit meinem Baby und Kind.

Die Freiheit bei Ausflügen, Stillen in der Trage.

Und natürlich, wie wunderbar es funktioniert, mein Baby damit zu beruhigen.

Womit hast du am liebsten getragen? Womit hast du begonnen? Magst du etwas über eure Tragezeit erzählen?

Bis heute liebe ich Tragetücher. Sie sind so wunderbar wandelbar und passen sich immer an. In Momenten, als mein Baby sehr unruhig war, zum Beispiel aufgrund von einer Phase oder einem Schub, und ich dementsprechend gestresst war, habe ich allerdings nicht die Vorzüge einer schnell angelegten Tragehilfe missen wollen.

Wie kam es dazu, dass du Trageberaterin geworden bist und mittlerweile sogar deinen eigenen Shop hast?

Als mein Sohn in den Kindergarten kam und ich zurück in meinen Beruf wollte, musste ich schnell feststellen, dass die Vereinbarkeit, wie ich sie gerne hätte, nicht möglich war. Ein guter Job in Vollzeit und mein Kind nur an den Wochenenden sehen, war für mich am Ende einfach keine Option. Die Selbständigkeit bietet mir die Freiräume und Zeiteinteilungen, die ich mit meinem Familienleben deutlich besser vereinen kann.

Weil das Tragen und Stillen so bedeutsam für mich waren und ich selbst wusste, wie wertvoll eine gute Beratung dabei ist, war für mich schnell klar, dass ich dieses ebenfalls weitergeben möchte. Der Online Shop hat für mich einfach Sinn gemacht. Viele wollten, genau wie ich damals, auch nach der Beratung direkt ihre Wunschtrage mitnehmen. Durch die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen, welche keinen Trageladen vor Ort haben und selbst nicht verkaufen, ist die Idee entstanden, einen Fachberater Shop zu eröffnen.

Welche Produkte umfasst dein Shop? Kann ich sie ausschließlich online kaufen?

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In meinem Shop gibt es natürlich in erster Linie Tragetücher und Tragehilfen. Praktisches Zubehör wie Gurtschoner oder auch Tragekleidung für das ganze Jahr gehören einfach dazu. Mein Shop heißt inzwischen marta-sellmann.de, allerdings hieß er zuerst stulpen-tragen.de, da ich diese Babystulpen einfach liebe und sie für Babys und Kinder einfach super praktisch sind. Ich selbst habe Stulpen schon mein Leben lang gerne getragen und daher mussten sie einfach dabei sein. Ich hoffe, dass sie dadurch noch bekannter und beliebter werden.

Möchtest du sonst noch etwas über dich oder deine Arbeit erzählen?

Ich bin wirklich dankbar, so wundervolle Menschen auf diesem neuen Berufsweg zu treffen und freue mich jedes Mal wie ein Kind, wenn wir wieder die perfekte Trage für die Familie finden oder Erfolgsmomente bei der Stillberatung erleben. Besondere Momente sind auch die teilweise sehr gefühlsintensiven Gespräche über die Geburt. Sehr häufig weinen wir dann erstmal eine Runde gemeinsam. Das ist sehr befreiend für alle und zeigt mir wie wichtig meine Arbeit ist.

Mein Sohn lehrt mich jeden Tag aufs Neue, ein besserer Mensch zu sein und hat mir gezeigt, wie sehr man einen Menschen Lieben kann. Ich würde sagen, ich bin eine Löwenmama. Für meinen Sohn würde ich wirklich alles tun. Manchmal sehe ich ihn an und könnte Platzen vor Liebe und Stolz.

Liebe Marta, vielen Dank für das Interview!

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