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Familienbegleitung
Natalie Clauss

Umzug ins eigene Haus - ein Neubeginn

erschienen am 

Am letzten Wochenende sind wir umgezogen. Es fühlt sich alles komisch an. Irgendwie ist alles noch neu, nicht heimisch. Ich bin melancholisch und doch auch voller Vorfreude.

Aufnahme eines zugeklebten Kartons.

Doch langsam… Ich fange mal etwas früher an.

Als wir in meiner ersten Schwangerschaft in unsere Wohnung einzogen, war diese Wohnung ein Traum für uns. Sie war günstig, was wichtig war, weil wir beide noch mitten in der Ausbildung waren. Und sie war praktisch, hatte sogar ein Zimmer mehr als wir es brauchten. Zwar war es eine Dachwohnung, doch das störte uns nicht.

Unsere erste eigene gemeinsame Wohnung. Uns war damals klar, dass wir bis zum Ende Ausbildung dort wohnen und uns dann etwas anderes suchen wollten. Ich weiß nicht warum, aber diese Wohnung war für uns von Anfang an nur eine Übergangswohnung. Ich kann gar nicht so genau sagen, warum uns das so klar, aber wir warteten mit dem Kauf eines neuen Sofas, wir warteten mit so vielen Anschaffungen bis wir nicht mehr dort wohnen würden.

Dass aus den geplanten zwei Jahren schließlich mehr als sechs Jahre wurden, damit hatten wir also nicht gerechnet. Aber irgendwie kam dann doch nie der richtige Zeitpunkt. Oder nicht die richtige Wohnung, nicht das richtige Haus. Doch wir suchten auch gar nicht wirklich.

Wir planten schließlich uns zusammen mit meinem Papa ein Haus zu suchen und zu kaufen, mit einer Wohnung für ihn und einem abgetrennten Teil für uns. Doch wir wollten uns Zeit lassen, es sollte dann auch alles passen. Und es mussten einige Vorbereitungen getroffen werden.

Mein Papa musste noch sein Haus verkaufen, mein Bruder musste eine Wohnung finden, wir mussten eine mögliche Finanzierung klären, … Also so vieles was nicht für einen zeitnahen Hauskauf sprach und noch einige Jahre hätte dauern können. Zumal die Haussuche in Oldenburg und Umland nicht gerade einfach und günstig ist.

Doch dann erfuhren wir über einen Freund von einem Haus am Stadtrand von Oldenburg mit einer Wohnung oben, einem großen Garten, ein Hintergrundstück, irgendwie bezahlbar und ohne Makler. Das hörte sich gut an und wir vereinbarten einen Besichtigungstermin.

Das Haus gefiel uns direkt. Nur nicht, wie es gerade war. Es war voll, sehr voll. Aber das würde schließlich alles wegkommen. Das wäre nicht unseres. Es war nur etwas schwer vorstellbar ohne all die Möbel, ohne all den Kram, der überall lag und stand.

Wir waren uns einig, wir wollten dieses Haus. Nur konnten wir das nicht alleine entscheiden. Mein Papa musste auch einverstanden sein, ihm musste es auch gefallen. Nur ist das nicht so einfach mit Besichtigungsterminen, wenn er über 400km entfernt wohnt.

Glücklicherweise wollte er uns einen Monat später ohnehin besuchen und so konnten wir die gemeinsame Besichtigung für dieses Termin vereinbaren.

(Nun hatte ich an dieser Stelle eine etwas längere Schreibpause, weil hier viel los war und mir abends oft die Kraft und Lust fehlte, noch zu schreiben. Dennoch möchte ich chronologisch weiter beschreiben. Auch wenn wir mittlerweile schon länger umgezogen sind, werde ich also noch von meine Gefühlen und Gedanken schreiben, die ich vorher und währenddessen hatte. Also es geht weiter…)

Ich konnte während des zweiten Besichtigungstermins, bei dem mein Papa mit dabei war, nicht dabei sein, weil ich arbeiten musste. Ich war etwas angespannt und nervös, was er sagen würde. Schließlich würden wir uns das Haus alleine niemals leisten können und es war auch der Plan, dass wir zusammen etwas kaufen wollten. Es hing folglich viel davon ab, ob mein Papa einverstanden sein würde und ob ihm das Haus genauso gefallen würde wie uns.

Glücklicherweise war mein Papa sehr angetan. Er sah einige Dinge, die noch gemacht werden mussten. Doch vieles hatte tatsächlich Zeit und um einziehen zu können müsste zunächst einmal "nur" renoviert werden. Bevor wir Weiteres mit dem Verkäufer besprachen, fuhren wir jedoch erst einmal in den Urlaub. Den brauchte ich zumindest auch ganz dringend.

Im Urlaub besprachen wir viel zum Haus, wir klärten, was uns wichtig war, wie wir weiter vorgehen wollten und vieles mehr. Es drehte sich also hier wieder vieles um das Haus und dennoch war es mit Strand, Wärme und ohne Auto doch total entspannt.

Aufnahme einer Weges über Dünen.

Wir sagten also dem Verkäufer zu und legten grundlegende Aspekte wie Kaufdatum, Notarzeitraum für den Kaufvertrag und einige andere Aspekte fest.

Die folgenden Monate waren geprägt davon, dass wir uns bzw. hauptsächlich mein Mann sich um die Finanzierung kümmerte. Das war in unserem Fall gar nicht so einfach, weil wir nicht einfach zu zweit kauften, den Kredit allerdings zu zweit aufnahmen, das Haus meines Papas noch verkauft werden musste, etc. Es war kompliziert und das sollte es auch zunächst bleiben.

Anfang November hatten wir schließlich den Notartermin für den Kaufvertrag. Damit fiel mir schon ein großer Stein vom Herzen. Irgendwie hatte ich immer noch Angst gehabt, dass irgendetwas nicht klappen könnte. Dass der Verkäufer sich weiter nach anderen Käufern umsehen könnte. Oder was auch immer. Doch zum Glück hat hier alles so funktioniert, wie wir uns das gedacht hatten.

Während mein Mann sich immer noch um die Finanzierung und die genauen Konditionen kümmerte, planten wir die Renovierung. Wir überlegten, was genau wann gemacht werden musste. Wir überlegten, was wir selbst machen könnten und was wir von wem machen lassen wollen. Es war viel Organisation und ich war wirklich dankbar, dass mein Mann so viel davon übernahm.

Als die Kitas wegen Corona geschlossen wurden, war ich fast verzweifelt. Mir fehlte mein Einkommen, mir fehlte die Zeit, mir fehlte die Kraft mich mit Bedingungen um zu arbeiten auseinanderzusetzen und mir fehlte der Ausgleich. Ich fühlte mich allein. Wie so viele. Ich hatte Angst in vielerlei Hinsicht. Ich spürte, wie mir alles über den Kopf wuchs.

Doch irgendwie schafften wir das. Nicht jeder Tag war einfach, nicht jeder Moment war schön. Und doch schafften wir viel zu planen und zu regeln für unser Haus.

Nach und nach packte ich Umzugskisten. Baute zusammen mit meinem Sohn Möbel ab, die wir nicht mehr brauchten. Unser Kellerraum wurde voller und voller.

Aufnahme von sich stapelnden Umzugskartons

Als wir im Juni im Haus mit der Renovierung beginnen konnten, ging meine Tochter wieder stundenweise in die Krippe. Mein Sohn hatte bald einzelne Stunden Vorschule im Kindergarten. So hatte ich zumindest etwas Zeit zum Arbeiten, den Umzug vorzubereiten oder auch mal für mich.

Wir fuhren mit jedem mal, mit dem wir zum Haus fuhren schon Umzugskisten oder Möbelteile mit, sodass wir beim eigentlichen Umzug nicht mehr so viel aus unserer Dachwohnung tragen mussten.

Mein Mann hatte die Handwerker so gut organisiert, dass es, nachdem wir mit den Vorarbeiten fertig waren, wirklich schnell ging. Innerhalb von ungefähr zwei Wochen wurde unser Haus von einer totalen Baustelle ohne Fliesen, Tapeten und Böden zu unserem neuen zu Hause.

Aufnahme eines renovierungsbedürftigen Raumes.

Es blieb wenig Zeit zum Nachdenken, wenig Zeit für Emotionen. In den wenigen ruhigen Momenten wuchs die Vorfreude, v.a. wenn ich die Fortschritte im Haus sah, wenn ich dort im Garten war mit den Kindern. Und gleichzeitig war ich etwas melancholisch und wehmütig bald nicht mehr in unserer Wohnung zu leben.

Dort hatten wir über sechs Jahre gelebt. Mein Sohn hat hier seine ersten sechs Jahre erlebt. Meine Tochter wurde in unserem Wohnzimmer geboren. Es war eine Wohnung, ein Raum voller Emotionen. Wir haben so viele schöne Momente erlebt. Momente, in der wir als Familie und als Paar zusammenwuchsen. Wir haben dort unsere Hochzeit gefeiert, ganz intim und klein.

Aufnahme eines liegenden, schlafenden Babys.

Und wir hatten dort Momente voller Wut, Trauer und Streit. Eben viele emotionale Momente und alles hatte hier seinen Platz gehabt.

Es war aber nicht nur die Wohnung, die ich vermissen würde. Die Nachbarn waren uns teilweise ans Herz gewachsen - ja, wir würden sie wiedersehen, aber doch würde es anders sein. Wir fühlten uns in diesem Studentenstadtteil so wohl und die ruhigere Umgebung wirkte auf uns zunächst fast spießig und wenig lebendig. Zum Glück sollte sich das bald ändern.

Mitte Juli zogen wir schließlich mit vielen fleißigen Helfern um. Es war nicht mehr so viel zu machen und das war gut so. Damit war der Umzug relativ entspannt und wir saßen abends gemütlich zusammen bei Stockbrot über der Feuerschale.

In der Wohnung musste nun noch geputzt werden, es mussten letzte Absprachen mit den Nachmietern getroffen werden (welche wir auch noch kurz vor Ende suchen mussten, um nicht Küche und Böden noch entfernen zu müssen). Ja, es war bis Ende Juli noch nicht wirklich entspannt.

Doch dann kehrte etwas Ruhe ein. Mein Mann hatte endlich Urlaub, wir konnten viele Kleinigkeiten, die noch gemacht werden mussten im Haus, endlich erledigen und hatten Zeit hier anzukommen.

Mittlerweile fühle ich mir hier wohl. Ich fühle mich hier sicher. Ich beginne es als mein Zuhause zu akzeptieren und innerlich anzunehmen. Es wird noch etwas brauchen bis es sich vollständig so anfühlt. Aber mit jedem Stück, was wir verändern, mit jedem Bild, was wir aufhängen und mit jeder Pflanze, die an die richtige Stelle kommt, wird es etwas mehr.

Aufnahme eines Gefäßes mit einem Spruch über Zuhause.

Bist du auch schon mal nach längerer Zeit umgezogen? Wie ist es dir ergangen? Warst du froh, dort wegzusein? Warst du vielleicht auch traurig? Ich freue mich von deinen Erfahrungen in den Kommentaren zu lesen!

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