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Familienbegleitung
Natalie Clauss

Meine frühe Fehlgeburt

erschienen am 

Tja, ich weiß nicht recht, was ich sagen oder schreiben soll. Ich hatte eine Fehlgeburt. Allein dieser Satz ist schon schwierig.

Ich habe mich auf dieses Kind gefreut, ich habe auf dieses Kind in meinem Bauch gewartet und kann noch immer nicht fassen, was passiert ist. Mal geht es mir gut, ich sehe viel Hoffnung und positive Momente, bin realistisch. Und dann sind da auch immer wieder die Momente unendlicher Traurigkeit.

Aufnahme von Regentropfen an einer Glasscheibe.

Wir hatten lange geplant, wann wir es mit einem weiteren Kind versuchen wollten. Ich musste lange warten bis dieser Zeitpunkt gekommen war, denn als wir darüber sprachen, war der Zeitpunkt einfach nicht gut. Ich musste also warten und war so glücklich, als diese Zeit endlich überstanden war.

Meine fruchtbaren Tage spürte ich genau und ich war mir schnell sicher, dass es geklappt haben musste. Ich spürte ein leichtes Ziehen beim Eisprung, wie immer. Auch spürte ich die Einnistung in die Gebärmutter. All das konnte ich spüren. Oder vielleicht bildete ich es mir auch nur ein. Wer weiß.

Da mir recht schnell übel war, machte ich schon vor dem Tag, an dem normalerweise meine Regel beginnen sollte, einen Schwangerschaftstest. Negativ. Was für eine Ernüchterung.

Doch die Hoffnung blieb. Es war einfach noch zu früh gewesen für den Test. Die Übelkeit wurde mehr. Meine Brüste spannten. Ich war mir immer sicherer trotz des ersten negativen Tests.

Ein paar Tage später machte ich einen erneuten Test. Positiv. Wusste ich es doch. Das habe ich zu mir selbst gesagt. Er war nur ganz schwach positiv. Eigentlich hätte es für den Zeitpunkt deutlicher sein müssen, doch ich ließ keine Zweifel zu. Ich schob alle Zweifel ganz weit weg. Dieses Kind wollte ich so sehr.

Aufnahme von Buchstaben mit dem Schriftzug We are having a baby.

Direkt schrieb ich meiner Hebamme. Denn ich wollte, dass sie mich wieder begleitet, genau wie schon in der Schwangerschaft zuvor. Sie schrieb mir recht schnell zurück und wir sahen uns am nächsten Tag. Wir konnten einige Punkte zur Vorsorge, Schwangerschaft und Geburt besprechen. Ich fühlte mich so gut.

Am Abend vorher hatten wir mit unseren Kindern über die Schwangerschaft gesprochen. Auch, wenn es natürlich noch sehr früh war und wir theoretisch wussten, dass noch viel passieren konnte. Aber zu keinem Zeitpunkt rechnete ich vorher damit. Ich wollte es einfach nicht wahrhaben, dass diese Möglichkeit auch nur im Entferntesten besteht.

Am nächsten Tag fühlte ich mich irgendwie anders. Im Nachhinein denke ich, dass ich gespürt habe, dass etwas nicht stimmte. Doch auch diesmal habe ich jeden Zweifel ganz weit weg von mir geschoben. Ich wollte keine Zweifel haben, ich wollte mich gut fühlen. Ich beschäftigte mich mit irgendwelchen Sachen. Räumte im Garten auf, machte mit den Kindern eine Fahrradtour.

Abends streichelte mein Mann sanft meinen Bauch und sagte, dass er sich auf das Baby freuen würde und wir redeten über verschiedene Sachen rund um das Thema Baby. Genau weiß ich es nicht mehr. Ich hatte sogar Umstandskleidung bestellt, weil ich kaum noch etwas hatte und wirklich nicht im entferntesten dachte, dass irgendetwas passieren könnte.

Doch am nächsten Morgen wachte ich auf, mit einem kleinen Blutfleck in der Unterhose. Ich ging auf die Toilette, mit der kleinen Hoffnung, dass ich mich in der Müdigkeit doch irgendwie getäuscht haben könnte. Doch auf dem Klo hatte ich direkt eine relativ starke Blutung. Sie begann rot-braun, im Laufe des Tages wurde sie immer kräftiger.

Aufnahme von roter Farbe, welche verschwimmt.

Voller Panik rief ich meinen Mann und schrieb meiner Hebamme. Meine Hebamme antwortete mir ziemlich schnell, dass ich nichts tun könne, außer mich auszuruhen und zu hoffen, dass das Baby bleiben würde. Blutungen können leider vorkommen.

Ich glaube jedoch nicht mehr, dass das Baby noch lebte. Das war einfach zu viel Blut, zu viel frisches Blut. Das Blut wurde zudem nicht weniger. Es wurde eher mehr.

Mein Papa fuhr mit meinen Kindern glücklicherweise in einen Tierpark. Den Ausflug hatten wir am Tag vorher geplant, doch ich konnte einfach nicht fahren. Ich wollte allein sein. Wollte Zeit haben, um zu weinen. Ich weinte wirklich viel und lange. Ich hörte zwar immer wieder auf zwischendurch, doch die Tränen kamen immer wieder. Es ging mir sehr schlecht. Es fühlte sich an, als würde es mich zerreißen. Ich wusste nichts mit mir anzufangen.

Detailaufnahme eines unscharfen verzweifelt wirkenden Gesichts.

Ich lag nur im Bett, sah Serien und weinte. Mein Mann erinnerte mich ans Essen und Trinken. Sonst machte ich nichts. Über den Tag wurde die Blutung nicht besser. Ich verabschiedete mich von der Schwangerschaft.

Detailaufnahme einer Frau, welche auf dem Boden liegt.

Meine Hebamme bot mir an, dass sie in der nächsten Woche nochmal Blut abnehmen könnte, um zu schauen, ob das Schwangerschaftshormon ausreichend abgefallen ist. So konnte man ausschließen, dass noch Reste in meinem Bauch verblieben waren.

Die Blutuntersuchung war nicht zwingend notwendig, da ich keinerlei Schmerzen hatte und die Blutung ganz normal nach fünf Tagen aufhörte. Doch ich wollte meine Hebamme sehen. Ich brauchte jemanden zum Reden.

Die Tage waren schwer, ich weinte oft, war viel traurig. Doch ich fühlte mich nicht wie erschlagen. Es war eher so, dass ich spürte, dass es dazu gehört. Zum Leben gehört der Tod. Auch wenn das echt schwer ist und so weh tun kann.

Eine sehr dunkle Aufnahme einer Frau, die mit angezogenen Beinen auf dem Boden sitzt.

Ich hatte immer wieder schöne Momente mit meinen Kindern. Ich war dankbar für meine zwei lebenden Kinder. Sie haben mir viel von meinem Schmerz genommen.

Und so ging der Alltag weiter. Die Momente, in denen ich traurig war, wurden weniger. Doch auch jetzt kommen sie noch wieder. Manchmal. Es tut immer noch weh. Ich verstehe es noch immer nicht. Doch ich kann es akzeptieren.

Als ich meinen Kindern erzählte, dass das Baby leider nicht mehr in meinem Bauch sei, waren sie eher pragmatisch. Mein Sohn sagte, da schreit wenigstens nicht noch jemand rum und er hätte dann mehr Platz. Gleichzeitig war er sehr liebevoll und schenkte mir ein Armband, welches er selbst aufgefädelt hatte. Das hat mich sehr bewegt.

Aufnahme von mit Wasser spielenden Kindern im Garten.

Inzwischen ist einige Zeit vergangen. Nach einigen Monaten hatte ich eine erneute Fehlgeburt. Wieder eine sehr frühe Fehlgeburt. Die Zeit nach dem positiven Schwangerschaftstest war von Anfang an begleitet von zwiespältigen Gefühlen. Ich freute mich wirklich sehr, dass es nach wartenden Monaten endlich wieder klappte und gleichzeitig war da die Angst, dass es wieder so kommen könnte, wie es letztendlich auch kam. Vielleicht schreibe ich irgendwann mehr darüber.

Ich habe Ideen, wo die Gründe für meine Fehlgeburten liegen können, doch Genaues weiß ich noch nicht. Vielleicht werde ich es nie erfahren. Vielleicht werde ich noch ein gesundes Kind zur Welt bringen, vielleicht auch nicht. Wir werden sehen, was die Zukunft bringen wird.

Schreibe mir gerne deine Gedanken zu diesem doch sehr persönlichen Artikel. Hast du ebenfalls ein Sternenkind? Oder mehrere? Du kannst gerne in den Kommentaren berichten, wie es dir erging und welche Erfahrungen du gemacht hast.

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