Familienbegleitung
Natalie Clauss

Wie oft muss ich mein Kind wickeln?

erschienen am 

In meinen Stoffwindelberatungen bei Schwangeren und auch bei kleinen Babys kommt oft die Frage auf, wie oft denn ein Baby überhaupt gewickelt werden muss. Damit hängt bei Stoffwindeln natürlich zusammen, wie viele Windeln benötigt werden. Bei Wegwerfwindeln hat die Antwort auf die Frage weniger direkte Konsequenzen, außer in Bezug auf die Müllmenge und die Menge der Windeln, die eingekauft werden muss.

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Ehrlich gesagt, finde ich es traurig, dass wir diese Frage überhaupt stellen müssen. Würde ich einem Erwachsenen die Frage stellen: "Wie lange möchtest du gerne in deinen Ausscheidungen liegen?", wäre die Antwort klar. Sie würde lauten "Gar nicht." oder "So kurz wie möglich.". Warum wird nun angenommen, dass dies bei Babys oder Kleinkindern anders sei?

Die Meinung, dass Babys und Kleinkinder ihre Ausscheidungen noch nicht kontrollieren könnten, ist sehr weit verbreitet. Früher war das angenommene Alter über den Zeitpunkt der bewussten Kontrolle noch deutlich früher angesetzt. Seitdem Wegwerfwindeln auf dem Markt sind, hat sich auch das Alter der angeblich bewussten Ausscheidungskontrolle deutlich nach hinten verschoben.

Ein Säugling liegt in einen hellblauen Body gekleidet auf dem Rücken.

Doch die Wahrheit ist, dass bereits Neugeborene ihre Ausscheidungen kommunizieren. Sie machen sich bemerkbar, wenn sie müssen oder auch wenn sie in einer nassen Windel liegen. Sie werden unruhig und möchten nicht in dieser Situation bleiben. Es gibt natürlich noch weitere Signale, die Babys und Kinder machen, wenn sie mal müssen oder es bereits getan haben.

Der Abstand zwischen den Ausscheidungen ist kurz nach der Geburt sehr klein, ebenso wie die ausgeschiedenen Mengen. Je älter das Baby wird, desto größer werden in der Regel die Abstände und auch die Mengen.

Bei der Windelfrei-Methode würde das Kind nach Möglichkeit bei jedem Signal "abgehalten" werden, sodass die Ausscheidungen nicht in eine Windel, sondern in eine Schüssel oder Ähnliches gehen. Dabei hat das Baby kaum Kontakt mit den eigenen Ausscheidungen.

Welche Erfahrungen ich persönlich mit der Windelfrei-Methode gesammelt habe, habe ich in dem Artikel Windelfrei ab Geburt niedergeschrieben.

Nun passt diese Methode aber nicht zu allen Familien und allen Situationen. Doch auch wenn ich meinem Kind Windeln anziehe (und sei es nur als Back-up), kann ich die Bedürfnisse meines Kindes berücksichtigen. Ich kann es wickeln, sobald ich merke, dass es ausgeschieden hat. Das betrifft die Ausscheidung von Stuhl und Urin gleichermaßen.

Nun sagen viele Eltern, zu Recht, dass das aber ganz schön viele Windeln wären, die dabei genutzt werden. Ja, das stimmt. In Wegwerfwindeln ist es so, dass Babys ihre Ausscheidungen (zumindest Urin) durch Zusätze wie Superabsorber und Ähnliches sehr wenig spüren. Dadurch signalisieren sie weniger, wenn sie ausgeschieden haben, weil es sich einfach nicht nass anfühlt. Eine Windel muss jedoch mit ihrer Saugkraft nicht bis an ihr Maximum ausgereizt werden.

Das Schöne an Stoffwindeln ist, dass ich deutlich flexibler bin was Materialien, Dicke und Saugeinlagen angeht. So kann ich bspw. auch nur eine dünne Einlage verwenden, die einmal ausscheiden gut auffängt, dann aber gewechselt werden muss. Für unterwegs oder nachts gibt es dann möglicherweise saugstärkere Alternativen.

Wo wir bei einer weiteren Frage sind: Wie ist es eigentlich nachts? Ich bekomme immer mal wieder die Frage nach einer sehr saugstarken Wickelmöglichkeit für nachts gestellt. Bei Eltern, die mit Wegwerfwindeln wickeln, kommen dann Ideen wie eine Windelgröße größer oder sogar zwei Windeln übereinander. Doch ist das wirklich die Lösung? Wollen wir wirklich, dass unsere Babys oder Kleinkinder bis zu zwölf Stunden oder mehr in ihren Ausscheidungen liegen?

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Natürlich wollen wir nicht, dass das ganze Bett nass ist und wir jeden Morgen alles neu beziehen müssen. Das ist klar und verständlich. Und dass es Kinder gibt, die nachts nun einmal sehr viel trinken und pinkeln. Ja, das ist so und auch das ist normal. Es wird sich verändern. Ich würde empfehlen, nachts zu wickeln.

Ich kann verstehen, dass das nervig ist und auch mir macht es keinen Spaß nachts aufzustehen und zu wickeln. Gleichzeitig würde ich nicht mit zwei Windeln oder einem riesigen vollgepinkelten Paket schlafen wollen. Ich glaube auch nicht, dass unsere Kinder das wollen. Ich finde immer, wir können uns auch das Wickeln nachts einfach machen. Wir müssen nicht unbedingt beim Wickeltisch wickeln. Oft hilft es schon, wenn die frische Windel direkt neben dem Bett liegt.

Um einmal zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Ich finde, dass Babys und Kinder so schnell wie möglich gewickelt werden sollten nachdem sie ausgeschieden haben. Das gilt meiner Meinung nach sowohl für Stuhlgang als auch für Urin.

Bildquellen:

Das Titelbild kommt von unsplash.com.

Das Bild im Artikel (Baby in Rückenlage) kommt von unsplash.com.

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